Samstag, 4. April 2015

Frohe Ostern!

Oder, wie man auf französisch sagt:

Joyeuses Paques

Und ich lege gleich noch ein paar österliche Schaufensterbilder nach:

Joyeuses Paques
Schokoladenschaufenster in Dijon

Joyeuses Paques
Schokoladenschaufenster in Bordeaux (1)

Joyeuses Paques
Schokoladenschaufenster in Bordeaux (2)

Joyeuses Paques
Nicht ganz mein Fall, aber geschickt beworben: "Zu Ostern lädt sich die Ente zum Aperitif oder als Dessert ein."

Heimatgefühle

Es wird immer hügeliger auf meiner Reise gen Osten, und nicht weniges erinnert mich an Zuhause in Dresden, Bautzen und drumherum. Hier ein paar Parallelen im Telegrammstil:
  • Nach knapp zwei Kilometern Serpentinenfahrt hinter meiner letzten Schlafgelegenheit in Saffres erblickte ich Schilder, die ein Klettergebiet (und die ominösen drei Buchstaben "E.V.A.") auswiesen... und kurz danach sah ich bunte Männchen am Fels und ein kleines Zeltlager.
  • Eine steile Abfahrt später stieß ich auf den nächsten ausgewiesenen Fahrradweg, wo mir plötzlich uuuunheimlich viele Freizeitradler entgegenkamen. Und es leuchteten mir zwei Neonjacken den Weg, die sich später als Deutsche auf Elektrofahrrädern entpuppten.
  • Kurz vor der Stadt staut sich das Flüsschen Ouche zu einem See zusammen, an dem man bei gutem Wetter sicher viel Zeit verbringen kann...
  • WG-Unterkunft mit Spieleabend - SET, Heckmeck und Kakerlakenpoke waren alle bereits bekannt :-)
  • Senf! Senf! Senf! - Ich bin in Dijon!

Freitag, 3. April 2015

Falsch verliebte Freunde

Es gibt ja viele Gründe, eine zeitlang von zuhause weg zu gehen. Die meisten davon kann man in zwei Schubladen einsortieren: eine für "Vermeidung" und eine fürs "Kennenlernen". In die erste Kategorie fallen die Reiseanlässe Wetter, Erholung von der Arbeit (=dem Stress entfliehen) und gegebenenfalls auch die Flucht vor der Staatsgewalt ;-) Die zweite Schublade bleibt offen für touristische Erkundungen, Begegnungen mit Menschen und für neue Sprachen, wenn man sich für eine fremdzüngige Gegend entscheidet. Ich mag diese Schublade ziemlich und ziehe heute mal das Thema "Wie man sich in Frankreich verliebt" heraus...

Leider kann ich die Liebe in Frankreich nur aus linguistischer Sicht beleuchten, aber schon das macht mir Freude. Es ist nämlich so, dass im Land der Liebe, die hier so vollmundig als "l'amour" [lamur] bezeichnet wird, andere Sprachregeln herrschen als im Deutschen. Bei uns sind menschliche Beziehungen verbal fein abgegrenzt: Bekannte, Kumpels und Freunde "mag" man, den partnerschaftlichen Freund bzw. Partner, Verlobten und Ehemann "liebt" man. Bestenfalls, versteht sich ;-) Wenn das auf französisch so einfach wär! Für "mögen" und "lieben" gibt es hier nämlich nur ein Wort: aimer. Die gesteigerte Form "adorer" bezeichnet eine Art abgöttische Liebe, die man eher für tolle Speisen als täglich für den Partner einsetzen würde. Nehm ich mal an, wer weiß, ob es Paare gibt, die sich täglich adorieren...

Auf jeden Fall wird's für Deutsche schwierig, mal eben zu erklären, dass sie jemanden ganz nett finden - aber eben nicht mehr. "Je l'aime" (wörtlich übersetzt: ich mag ihn/sie) wird mit "Ich liebe ihn/sie" übersetzt, während "Je l'aime bien" (ich mag ihn/sie gern) bedeutet, dass man jemanden ganz nett findet. Man kann's auch anders ausdrücken: "Je l'apprecie" - das klingt für mich als Anglophile sehr formell, denn da übersetzt man das Wort "appreciate" mit "jemanden/etwas schätzten".

Da ist es dann schon einfacher, die Sache beim Namen zu nennen, wenn man sich tatsächlich verliebt hat. Hier haben die Franzosen (und die Englischsprechenden auch) eine wunderschön bildliche Sprachschöpfung, wie ich finde: "tomber amoureux" - in die Liebe fallen. Wenn man's recht bedenkt, kommt das der Sache doch auch viel näher als das achsoaktive "sich verlieben". Habt Ihr Euch wirklich immer selbst aktiv zum Verliebtsein entschieden oder seid Ihr eher in die Sache reingestolpert, also quasi gefallen? Ich finde, man sollte "in die Liebe fallen" in den deutschen Sprachkatalog aufnehmen.

Hat man's dann geschafft und sich einen Partner geangelt, geht das Spiel wie im Deutschen los: ist es nun ein Kumpel ("un copain" ), ein Freund ("un ami" oder "l'ami") - oder ist es DER Freund ("LE copain")? Witzig, oder? Zuerst kommt EIN Kumpel, dann EIN/DER Freund, und dann erst DERJENIGE WELCHE, der aber nun wieder mit dem Kumpelfreundwort beichnet wird... komische Rangordnung, finde ich. Wer's einfacher haben will, benutzt wie im Englischen ein Präfix, allerdings nicht nach Geschlecht sortiert, sondern verniedlichend: man nennt den Partner dann "petit-copain" oder "petit-ami", was sich wortwörtlich mit "kleiner Freund" übersetzen lässt. Wie süüüüß!

Zuguterletzt sollte man in Frankreich auch nicht vergessen, dass Zuneigung nicht nur verbal, sondern auch in Taten ausgedrückt wird. Dabei gilt für Deutsche: sprachlich ist weniger mehr, aber bei der Begrüßung darf's auch ein bisschen mehr sein. Soll heißen: Hände in den Taschen behalten, nach vorn beugen und Küsschen verteilen bzw. abholen! Dabei aber bitte auf Geschlechtskonstellationen achten - die Jungs teilen wohl seltener untereinander Küsschen aus. Da ich aber kein Junge bin, hab ich schon so einige französische Dreitagebarte meine Wange entlangkratzen lassen.
Die Bezeichnung der Begrüßungs- und Kussarten bereitet mir immer noch Kopfschmerzen: die Begrüßungsküsschen nennt man Bises, einen "richtigen" Kuss Baiser (witzigerweise wird das Gebackene Baiser in der Oberlausitz mit "Schmätzel" bezeichnet) und will man mit jemanden so richtig zur Sache gehen, kann man das auch mit demselben Wort als Verb, also als "baiser qn." bezeichnet. Ähnlich verwirrend ist es, wenn man sagen will, das man jemanden umarmt hat - das Verb "embrasser" wird sowohl für die Umarmung als auch den mehr als freundschaftlichen Kuss verwendet. "Se donner les bras" - sich die Arme geben - ist dann wohl die unverfänglichere Umschreibung... am besten, man spielt als Deutscher immer noch ein bisschen Pantomime, dann klappt das schon mit dem Nachbarn der Verständigung :-)

Warum ich das alles weiß? Ich hab die letzte Nacht bei einer Englischlehrerin übernachtet und mit ihr das Thema Lie-Bäh angeschnitten...

J'adore le francais!
(wortwörtlich: Ich lieeeebe Französisch... oder "den Franzosen", wenn er großgeschrieben wäre ;-))

Donnerstag, 2. April 2015

Gott in Frankreich

Meine heutige Etappe bestand im wesentlichen aus einer kurzen Ab- und Auffahrt vom Wallfahrtsörtchen Vézelay nach Avallon, gefolgt 50 Kilometern im Regen auf einer laaaangen, geraden, einfach durch die Landschaft geschnittenen Departmentale bis nach Vitteaux. Das gab mir Zeit, mal die bisherigen Etappen und Sehenswürdigkeiten Revue passieren zu lassen. Wenn man von Schlössern und Großstädten absieht, hat sich da bisher vor allem eins manifestiert: der Jakobsweg.

Oder besser gesagt: die Jakobswege. In Frankreich gibt es vier "Zubringer" zur spanischen Pilgerstrecke nach Santiago de Compostella, sie starten jeweils in Paris, Vézelay, Le Puy und Arles. Im Startpunkt des zweiten Weges habe ich meine gestrige Etappe beendet und war ehrlich beeindruckt vom Anblick des malerischen Örtchens im Hügelland von Avallon, das mit seiner Kathedrale beeindruckend viele "große" und kleine Männer der Geschichte angelockt hat. Hier haben sich diverse englische und französische Könige die Klinke in die Hand gegeben, aber auch für Kunstliebhaber ist das Städtchen nicht uninteressant: im letzten Wohnhaus des Schriftstellers Romain Rolland befindet sich das Musée Zervos, eine Sammlung von Malereien aus den 20er bis 70er Jahren (Picasso, Kandinski,... es gab sogar ein Bild von Le Corbusier, der ja eigentlich eher als Architekt bekannt ist). Ich war begeistert! NIcht nur von der Kunst, sondern auch vom Fakt, dass ich für 16,30€ eine halbe Jugendherberge - Küche und Bad, zwei Schlafsääle - für mich hatte. Endlich mal eine "Massenunterkunft" ohne Schnarcher ;-)

Aber eigentlich wollte ich ja erzählen, wie es Gott in Frankreich so geht. Ich glaube ja, es geht ihm hier noch sehr gut - jedenfalls habe ich viele Orte besucht, an dem man ihm noch regelmäßig gedenkt und altes Gemäuer verstärkt, aufhellt, verputzt.. kurzum, wo Kirchen und Kathedralen heil(ig) gehalten werden. Dabei bin ich ziemlich fasziniert von den tollen gothischen Portalen, die sich über dem Eingang vieler Gotteshäuser befinden. Da möchte man manchmal drunter stehen bleiben und sich die zugehörige biblische Geschichte noch einmal anhören...

Meine "erste" Pilgerkirche war die Kathedrale in Moissac am Canal du Midi, wo ich auch auf dem Radweg eine Pilgerer zu Fuß gesehen habe. Damals noch nicht an schlechtes Wetter gewöhnt, ist mir die morgendliche Nebelstimmung in der Stadt besonders in Erinnerung geblieben - und die Ruhe, die der Innenraum der Kirche ausstrahlte. Vielleicht auch, weil noch kein anderer Mensch mittwochs um 10:00 Uhr hineingeschaut hatte ;-)

Mit den nächsten Kathedralen - Agen, Bordeaux, Saintes,... - folgte die Gewöhnung an die Schönheit der Gotteshäuser und ich muss zugeben, dass ich immer weniger Zeit für die Besichtigung eingeplant habe. Auch deswegen habe ich mich am letzten Sonntag besonders über die Messe in Orléans gefreut. Ein Gottesdienst ist eben doch etwas anderes als ein kurzer Kirchenbesuch, er gibt Zeit und Stoff zum Nachdenken. In diesem Fall - meiner ersten Palmsonntagsmesse - war es für mich doch etwas Besonderes, die Passion Christi noch einmal nachzuvollziehen. Auch wenn es eigenartig war, dass die Geschichte von Gemeindemitgliedern unterschiedlichen Alters gelesen wurde und ausgerechnet eine Kinderstimme den Part "Assassine-lui" - "Tötet ihn!" (bezogen auf Jesus) - übernahm.

Eins ist mir bei meinen Kirchbesuchen bereits aufgefallen: die Pilgersaison hat noch nicht begonnen. Bislang bin ich nur in Moissac rucksacktragenden Kathedralgängern begegnet, gepäckbeladene Fahrräder habe ich auch nicht gesichtet. Man kann es den Pilgerern aber auch nicht verübeln, wenn man sich die Wetterlage der letzten Wochen anschaut...

Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich Gott statt in den Kirchen nicht auch anderswo suchen und finden könnte. Moscheen und Synagogen sind mir bisher noch keine aufgefallen - und ich bin auch nicht wirklich firm darin, ob und wie man diese besichtigen kann. Sollte sich mir aber auf den nächsten Stationen noch einmal eine Möglichkeit bieten, möchte ich diese nicht auslassen. Bis dahin radle ich weiter über Straßenkreuzungen vorbei an Kreuzen mit Jesusfiguren und anderen Wegesrandheiligen, die mich an Gott in Frankreich erinnern...

Mittwoch, 1. April 2015

Leere

Es ist also geschafft, ich habe mich aus der Touristenregion Loiretal herausgestrampelt ins Niemandsland. Es begann kurz hinter Chateauneuf-sur-Loire, wo ich statt dem Fluss zu folgen eine Departmentale-Strasse nach Osten nahm und mich prompt neben holztransportierenden LKWs wiederfand. Einen Einkaufsstop bei Super U (eine Einkaufskrake auf der gruenen Wiese, die zumindest in dieser Region innerstaedtische Laeden plattmacht) und eine Abzweigung spaeter ueberquerte ich den "gruenen Meridian", habe also den Westen Frankreichs erfolgreich hinter mir gelassen.

GoogleMaps riet mir auf der abgespeicherten Route zu einer Abkuerzung ueber kleine Strassen - doch als ich die Motorradjugend des letzten Dorfes vor meinem Ziel nach diesen Strassen fragte, erntete ich nur unwissendes Kopfschuetteln und den Tipp, mal die Nonnen im Kloster hinten im Wald zu fragen. So bin ich dann tatsaechlich zu den Benedektinerinnen geradelt, habe ein paar Postkarten gekauft und ein weiteres Mal Vermutungen zur moeglichen Wegfuehrung erhalten. Kein Problem, dachte ich und nahm einfach den erstbesten Waldweg in Richtung Nordosten.

Danach begruesste mich eine Waldstrassenkreuzung - oder besser -sternung - nach der anderen und ich fuehlte mich schon etwas verloren. Als ich schon hoffte, wieder im bewohnten Gebiet zu sein, fand ich mich ploetzlich am "Carrefour de la Résistance" wieder - einer Stelle im Wald, wo im zweiten Weltkrieg Widerstandskaempfer ihre Basis aufgebaut hatten. Und leider entdeckt wurden :-(

Nach diesem letzten "touristischen" Hoehepunkt war dann aber wirklich Schluss und es gab nur noch Wald, Wald, Wald... und irgendwann auch die erhoffte Waldsiedlung. Dort blieb ich eine Nacht, half morgens noch beim Stapeln des frischgelieferten Brennholzes fuer den Kamin und liess mich vom Rueckenwind weiter in Richtung Osten tragen. Hinein in die "Diagonale du vide" - der Diagonalen der Leere. Tatsaechlich gibt es zwischen Orleans und Dijon kaum Staedte mit mehr als 20.000 Einwohner, was sich positiv auf die Radfahrqualitaet der Departementale-Strassen, aber negativ auf Couchsurfing-Moeglichkeiten auswirkt.

Ehrlich gesagt, hat mich diese Leere ziemlich muede gemacht und da ich zudem ziemlich viel Heimweh angesammelt habe, entschloss ich mich kurzerhand, mein Frankreich-Abenteuer etwas abzukuerzen: ich hab den naechstbesten Zug in Richtung Deutschland genommen, durch einen gluecklichen Zufall noch eine Unterkunft in Markt Erkheim gefunden und verbringe somit jetzt einen Tag im Allgaeu... von dort aus gehts ab jetzt weiter in Richtung Heimat!

Zurueck in Deutschland

Das "April, April" gilt aber nur für den letzten Absatz... Liebe Grüße aus Vézelay!

Montag, 30. März 2015

Sightseeing erstmal abgeSchlossen

Meine letzten Tage waren - abgesehen vom Spiel mit dem Regen und dem Kennenlernen neuer Couchsurfer - geprägt von dem, was ein Tourist an der Loire eben so macht: Sightseeing!

Es fing in Tours an, als mir meine Gastgeber empfahlen, statt direkt nach Blois lieber einen Abstecher zum Wasserschloss Chenonceau zu machen. Das sei wohl das Chateau, das allen ihren Gästen am stärksten beeindruckt hätte und es wäre schade, dies links (bzw. rechts) liegen zu lassen. Da das Wetter mich eh dazu drängte, regenbedingt kürzere Etappen zu planen, hab ich kurzerhand noch eine Unterkunft in der Nähe von Chenonceaux - der Ort wird witzigerweise mit x am Ende geschrieben - gesucht und bin in Montrichard, ca. 10kmwestlich des Schlosses am Flüsschen Cher fündig geworden.

Regen- und IKEA-bedingt kam ich in Chenonceaux erst kurz vor 17:00 Uhr an und erahnte das erste Mal auf dieser Reise das Ausmaß des hiesigen Sommertourismus: ein Riesen-Parkplatz, aufgeteilt in Bereiche für Busse, PKW und Fahrräder, für die mehrere Reihen "Geländer" zum Anschließen bereitstanden. Luigi hatte also die Qual der Wahl eines Pausenplätzchens, denn außer ihm habe ich weit und breit kein Zweirad gesehen...

Das Schloss selbst ist vom Parkplatz aus noch gar nicht zu sehen, denn zunächst gilt es eine Eintrittskarte zu erwerben (oder per Gästeführerausweis gratis zu bekommen), sein Gepäck (wenn man welches hat) in Schließfächern zu verstauen und dann einen Barockpark zu durchqueren. Nach ein paar hundert Metern erblickt man dann aber schon das Märchenschloss und seinen wunderschönen Park. Drinnen kann man sich ein IPhone geben lassen, auf dem mehrere Rundgangvariationen gespeichert sind - ich muss sagen, die Aufarbeitung der Geschichte in Bild und Ton hat mich wirklich beeindruckt! Natürlich bevorzuge ich nach wie vor persönliche Führungen, aber es war nicht schlecht, dass auf dem Gerät immer wieder Bilder der besprochenen Personen und Rahmenbedingungen zu sehen waren.

Katherina de Medici in Chenonceau

Schloss Chenonceau hat mich ein wenig vertraut gemacht mit der Königen um Katherina de Medici - und ausgebaut habe ich dieses Wissen einen Tag später im "Königsschloss" Blois. Hier habe ich keinen Audioguide mitgenommen, dafür waren aber die Tafeln im Zimmer sehr aufschlussreich (und in einem französisch geschrieben, dass auch Nicht-(Kunst)-Historiker verstehen). So weiß ich jetzt zumindest, in welcher Abfolge die königlichen Henris und Francois I auf dem französischen Thron saßen. Außerdem könnte ich Euch jetzt blumig erzählen, wie sich letzterer seines Widersachers Francois de Guise entledigte... aber besucht das Schloss lieber selbst, es lohnt sich!

Was mir in beiden Schlössern - Chenonceau und Blois - sehr gut gefallen hat, war das Vorgeben einer Route, auf der man die Geschichte(n) erkunden kann. So baut die Ausstattung der Räume gewissermaßen aufeinander auf bzw. orierntiert sich an den Gegebenheiten zu königlichen oder späteren Zeiten. Für die Kinder gab's in Blois auch immer wieder eine kleine Extra-Tafel, die auf bestimmte Gegebenheiten hinwies. Außerdem hatte man dort im Ständesaal extra einen kleinen Thron aufgebaut, auf dem sich jedermann und -frau fotografieren lassen konnten. Im selben Raum konnte man zudem die verschiedenen Bau-Epochen auf Video-Projektionen nachvollziehen und auf den Monitoren noch mehr Informationen erklicken. Sehr gelungen, wie ich finde!

Bei meiner ersten Besichtigung von Chenonceau ist mir eine Sache besonders in Erinnerung geblieben: ein offenes Feuer im Kamin einer der königlichen Schlafräume. Unvorstellbar, dass man so ein "Risiko" in einem deutschen Museum eingehen würde! Aber die Stimmung - und die Wärme -, die dieses Feuer ausstrahlte - einfach schön!

Echtes Feuer im Museum
Leider nur ein Handy-Bild von Museum mit offenen Kaminfeuer

Von Blois aus bin ich vor zwei Tagen weiter nach Orléans geradelt - immer entlang der Loire, vorbei am nächsten Atomkraftwerk und die letzten fünfzehn Kilometer in Begleitung eines netten Mittfünfzigers, der mit seinem 1978er-Rad in Vorbereitung auf eine kommende Radreise eine Samstagsrunde drehte. Das war eine gute Abwechslung auf dem schnellen, aber doch manchmal langweiligen Asphalt der Loire-Fahrrad-Autobahn".

Auch in Orléans hab ich ein Kulturtourismus betrieben, und zwar in dreifacher Weise: zum einen habe ich die "obligatorischen" Museen zur Lokalheldin Jeanne d'Arc besichtigt (Videoprojektionen und viiiiiele Malereien), zum anderen die katholische Messe zum Palmsonntag besucht (ich kann jetzt "Friede sei mit Dir" auf französisch sagen), und nicht zuletzt habe ich unheimlich viel von meinem peruanischen Gastgeber über sein Land und dortige Gegebenheiten gelernt. Das war unheimlich aufschlussreich und hat mich zum Nachdenken über die "Zivilisation", die Notwendigkeit (?) vom Lesenlernen und der Technisierung der Landwirtschaft angeregt...

Weiter geht's heute in Richtung Dijon, aber bevor ich dort ankomme, werde ich noch ein paar Tage durch die Bourgogne fahren - ohne Schlösser, aber hoffentlich weiter mit aufgeschlossen Menschen :-)

Samstag, 28. März 2015

Apropos Ausstattung...

Scheinbar hab ich es mit dem gestrigen Beitrag herausgefordert - Murphy jedenfalls fühlte sich verpflichtet, meine Ausstattung mal auf Vollständigkeit zu testen. Und so kam es, dass ich knapp zehn Kilometer hinter Blois ein wackeliges Gefühl beim Fahren bekam, was sich ziemlich schnell als erplattendes Hinterrad erwies. Gottseidank hat es entgegen der Wettervorhersage nicht geregnet, gottseinichtdank aber leider Wind geblasen. Das erschwerte das Finden des Loches und insofern auch des Übeltäters in Form eines kleinen spitzen Steinchens, was sich durch Mantel und Plastikschutzstreifen bis zum Schlauch durchgebohrt hatte.

Bevor ich es übergehe, möchte ich hiermit herzlich meiner "Fernwartung" aus Dresden danken, mit deren Hilfe ich die neu erworbene Luftpumpe für mein Ventile "umgebaut" hab. Und irgendwie bin ich auch froh, dass das Dreiergrüppchen radfahrender Franzosen erst eine halbe Stunde nach dem Erplatten an der Unglücksstelle vorbeigekommen sind. Sonst hätten sie nämlich eine derb deutsch fluchende Maria aufgefunden, die sich vielleicht sogar hätte helfen lassen... aber diese Tour ist ja dazu gedacht, dass ich selbst Hand anlege!

Der kleine Zwischenfall hat mir jedenfalls klar gemacht, dass ich durchaus nicht an alles gedacht habe bzw. nicht alle Bestandteile vollständig überprüft habe: die "Hebel" zum Mantel-über-die-Felge-Bewegen habe ich scheinbar beim Austesten der Ausrüstung zuhause liegen gelassen. Stattdessen behalf ich mir mit Bestandteilen meines Taschenmessers und hoffe, dass dies keine Schäden am Schlauch hinterlassen hat (es ist jetzt erstmal ein Ersatzschlauch drauf, den alten flicke ich heute abend). Außerdem täten ein paar Gummihandschuhe oder stattdessen Feuchttücher nicht schlecht, jedenfalls hatte ich ziemlich dreckige Hände nach der Aktion.

Es sind übrigens durchaus ein paar Autos während meiner Bastelei an mir (in knallgelber Jacke, Rock und umgedrehten Rad) vorbeigesaust und ich habe keine Geschwindigkeitsänderungen erahnen können. Ich frage mich, ob das in Deutschland auf einer kleinen Landstraße ebenso gewesen wäre?

Inzwischen bin ich übrigens schon wieder gute 20km weiter in Beaugency, trinke einen Grand Café au Lait (=Milchkaffee), schaue den Leuten beim Amigo(=Bingo)-Spielen zu und plane ein paar weitere Reisestationen. Das mache ich übrigens gern unterwegs, damit ich abends bei meinen Gastgebern nicht nur vor dem Rechner hänge. Und manchmal ergibt sich so auch ein nettes Gespräch mit der Lokalbevölkerung. Oder ein witziges Bild - bald wieder in besserer Auflösung, denn in Blois hab ich eine Gebrauchtkamera erworben. Allerdings war ich beim Schlauchwechsel erst so frustriert konzentriert, dass ich nicht wirklich ans fotografische Dokumentation gedacht habe...

Freitag, 27. März 2015

Gestatten, meine Ausstattung!

Da ich gestern recht lange in Tours bei IKEA saß und wartete, dass der Regen draußen weniger würde (ward er auch), dachte ich: schreib ich mal einen Artikel abseits der Landschaftsbeschreibung. Gleich geht es darum, was ich so täglich mit mir herumschleppe... für diejenigen, die sich eher für Frankreich als fürs Fahrradfahren interessieren: nächsten Eintrag lesen!

In einem früheren Eintrag habe ich ja schon angedeutet, warum ich gerade auf Reisen bin (Kurzversion: Selbstfindung und Erinnerungen-Auffrischen) – vielleicht mag auch der ein oder andere wissen, wie (Kurzversion: mit dem Fahrrad und Packtaschen). Legen wir also mal mit den Rahmen-Bedingungen los:

Luigi, mein Fahrrad, hat einen stabilen Giant-Stahlrahmen, an dem ein knapp sieben Jahre alter Laufradsatz mit 8-Gang-Nabenschaltung sowie Nabendynamo montiert sind. Der Rahmen ist eigentlich für eine Kettenschaltung gedacht, sodass ich zum Spannen der Kette hinten einen Umwerfer benötige, abgesehen davon ist das Fahrrad ziemlich „normal“. Soll heißen, ich besitze keine extrateuren Ultraleichtbau- oder Superschnellbremsteile, sondern eine Ausstattung, die sich in jedem normalen Radgeschäft ersetzen lässt. Dabei sind die mechanisch stark beanspruchten Teile tendentiell hochwertiger, die Bequemlichkeitskomponenten wie Sattel und Lenker eher ziemlich billig. Und so ist Luigi eine Art Straßenkötermischung aus den Fahrradäquivalenten von Schäferhund (Schnelligkeit, Zuverlässigkeit) und Mops (sieht nicht aus wie ein Windschnittiger). Gottseidank klauen Diebe lieber reinrassige Räder ;-)

Technischen Schnickschnack wie Kilometerzähler, GPS-Gerät und/oder Pulsmesser habe ich nicht mitgenommen – das einzige, was mir manchmal fehlt, ist der Kompass, der zuhause noch an der Pinnwand hängt. Für die Navigation benutze ich ganz klassisch eine Straßenkarte (1:350.000), schaue mir die Etappen vorher auf GoogleMaps an und schieße ganz gern noch ein paar Fotos mit meiner Handy-Kamera, falls meine Gastgeber eine genauere Karte besitzen. Außerdem scheue ich mich nicht, unterwegs Leute nach dem Weg zu fragen, was auch immer mal wieder einen Plausch und gute Radfahrtipps ergibt. Manchmal aber auch völlig verklärte Gesichter und die immer wiederkehrende Warnung: „Aber Achtung, das sind ganz kleine Straßen!“ (Ach nee, danach suche ich ja!)

Mein Gepäck transportiere ich mit dem Klassiker aller Optionen: mit Ortlieb-Packtaschen, zwei hinten und eine Lenkertasche vorn. Dank eines allseits bekannten Outdoorhandels, der seine Werbung in diversen Reisefotos platzieren möchte, haben meine Taschen die schöne Farbe orange (sie kosten dann nämlich bei ebendiesem Outdoorhandel ein paar Euronen weniger). Sie lassen sich ganz einfach per Klicktechnik am Gepäckträger hinten befestigen, vorne musste ich zuvor noch eine Art Schiene montieren. Dafür kann ich die Lenkertasche bei Bedarf auch mit einem Schlüssel festmachen, was für Kurzbesuche in Kirchen & Co. ganz praktisch ist.

Luigi vorm Bäcker
"Ich warte auf meinen Meister" steht auf dem Schild vorm Bäcker ;-)

In den Packtaschen selbst befinden sich folgende Kostbarkeiten: Klamotten (neben der obligatorischen Unterwäsche zwei Röcke, zwei Paar Leggins, zwei Sets Radoberteile in kurz und lang, eine Stadtjacke, Regenausstattung und einmal Schlafsachen), ein Schlafsack, ein Notfall-Mückenzelt (okay, dass ist sinnlos!), eine goldene Notfall-Decke, eine Pflaster- und Medizinbox, eine 0,5l-Thermoskanne, ein 10''-Notebook, Fahrradreparaturkit und Luftpumpe, ein Ultraleichthandtuch, ein Schal, meine Kosmetiktasche mit Zahnputzzeug und Ohrringen (grooooße Auswahl!), zwei Reisespiele („Set“ und „Heckmeck“) sowie Bücher und Verpflegung, wie sie mir gerade in die Hände fallen (und in die Taschen passen). Die Sachen habe ich so verstaut, dass beide Taschen etwa gleich viel wiegen, aber nur eine die „wertvollen“ und unersetzlichen Dinge (Rechner, Ausweise, Reparaturzeug, Klamotten und Kosmetik) enthält. Wenn ich mir eine Sehenswürdigkeit unterwegs anschaue, nehme ich dann meist auch nur diese Tasche mit und schließe den Rest mit einem Drahtschloss an. Das Fahrrad selbst und den Helm sichere ich mit einem Bügelschloss.

Ganz wichtig bei der Ausstattung ist inzwischen das Handy geworden, da meine Digitalkamera einen Tag nach meinem Strandbesuch in La Rochelle den Objektiv-Geist aufgegeben hat (der Fotoladen in Tours konnte mir da trotz Luftpustegerät nicht weiterhelfen). So ist mein Telefon derzeit Fotoapparat, Navigations- und Kommunikationshilfe in einem – ich bin begeistert, was so ein Smartphone alles kann. Hab sogar schon ein Gedicht während der Fahrt mit dem eingebauten Mikrofon aufgenommen :-)

Mit dem Handy fotografiere ich auch immer wieder mal in alter deutscher (?) Manier Essen – mal, weil es wirklich lecker aussieht, und mal, weil es situativ gerade passt. Heute zum Beispiel: Kanelbullar neben Macarons im französischen IKEA.

französische IKEA-Spezialitäten

Was das Essen im Allgemeinen betrifft, so bin ich flexibel und nehme das, was grad kommt. Grundsätzlich versuche ich aber immer, ein paar Proteine in Form von Nüssen, Nussmus oder Käse sowie schnellen Zucker (Trockenobst und Schokolaaaaaadeeee!) bei mir zu haben, meist kaufe ich auch unterwegs irgendwo noch ein Baguette oder anderes Brot. Abends wird meist bei den Gastgebern gekocht, für das morgendliche Heißgetränk trage ich immer eine Packung gemahlenen Kaffees mit mir herum. Dazu mache ich sehr oft unterwegs mal eine Verschnaufpause, bei der ich mir einen weiteren Kaffee oder eine lokale Backspezialität gönne. Kurzum: wer glaubt, ich könnte auf dieser Tour Modelmaße ersporteln, irrt!

Es gibt eine Sache, auf die ich immer wieder hingewiesen werde: der Fahrradständer („la becille“). Durch die Packtaschenpolsterung an den Seiten kann ich den vollbeladenen Luigi eigentlich sehr oft ganz bequem irgendwo anstellen – aber sobald ich das Gepäck abnehme, wird das Parken etwas wackelig. Da das oft passiert, wenn ich gerade bei Leuten ankomme oder losfahre, wird mir dann immer wieder zu einem Fahrradständer geraten. Ich weiß noch nicht, ob ich diesem Rad/tschlag standhalten werde...

Nachtrag zum Thema Regenschutz: der besteht bei mir aus einer Regenhose, die zugleich auch Wärmfunktion hat (d.h. wenn's kalt wird, trag ich sie über den Leggins), einer neongelben Regenjacke (aka: Warnfunktion!) und Regengamaschen über den Schuhen. Funktioniert bei leichtem Regen sehr gut, bei langanhaltendem starken Regen werden die Oberschenkel dann doch schon nass... Ich hab beim deutschen Outdoorausstatter aber auch solche knallgelben Regenüberzüge vom Hüfte bis Knie gesehen, vielleicht würde sich das für Starkregentage lohnen? Werd ich vielleicht irgendwann mal ausprobieren.

Die kleinen feinen Unterschiede

Am letzten Wochenende – genauer gesagt am Sonntag, wo in Frankreich die Geschäfte geschlossen sind – hab ich die „Grenze“ überschritten: meine Straßenkarte des französischen Südwestens reichte nicht mehr bis zum nächsten Etappenziel. Dank des GoogleMaps-Ausdrucks meines Gastgebers kam ich dennoch sicher nach Bressuire, wo ich den Nordwesten Frankreichs in Kartenform erstanden habe.

Und tatsächlich, mir begegnen immer wieder Hinweise darauf, dass ich mich nicht mehr im Süden befinde:
  • Die Leute sprechen ein Französisch, das meinem Schulfremdsprachenunterricht näher kommt als im Süden. Die Vokale sind klarer, aber die Dialekte hier klingen irgendwie auch nicht mehr so „bunt“ wie an der Küste, wo irgendwie jeder sein eigenes Sprachsüppchen gekocht hat... vielleicht gewöhn ich mich aber auch einfach nur an die französische Sprache, die ich inzwischen recht gut verstehe.
  • Die Sonne strahlt mir nicht mehr entgegen (oder verbrennt mein linkes Ohr), sondern scheint meistens von hinten – wenn sie sich überhaupt blicken lässt ;-)
  • Die Häuser im Süden waren oft unverputzt, was einen ganz besonderen Charme ausmacht. Dafür gibt es hier häufiger Fachwerkgebäude. Zudem haben hier ALLE Wohnstätten eine richtige Heizung, nicht nur einen Kamin und einen Notfall-Heizlüfter.
    Die „Chocolatines“ heißen hier „Pain au chocolat“. Und es gibt Brioches ohne Ende! (Letzteres ist aber eine Eigenart der Tourainer Gegend)
  • Die Bevölkerungsdichte abseits der großen Städte lässt merklich nach. Kein Wunder, da ist ja auch kein Strand, den man innerhalb einer Stunde erreichen kann. Ist aber auch sehr schön, wenn man so durch verschlafene Dörfer radelt....
Abgesehen davon gibt es auch Landschaftsmerkmale, die immer mal wieder auftauchen: Weinfelder, Kirchen aus allerlei Epochen, Chateaux in vielerlei Ausprägung sowie ziemlich regelmäßig angepflanzte Baumreihen, die der Forstwirtschaft später zum Abholzen dienen werden.

Ich bin mal gespannt, ob sich auch der französische Osten merklich vom Westen abheben wird!

Donnerstag, 26. März 2015

Geselliges Tours!

Bevor ich es vergesse, hier ein paar stichpunktartige Höhepunkte meines gestrigen Tours-Besuches:
  • Die Fenster der Kathedrale von Tours wurden vor nicht allzulanger Zeit restauriert, zum Teil neu bestückt und ausführlich auf Tafeln erklärt - man könnte dort einen halben Tag zubringen, ich hab es leider nur auf eine halbe Stunde gebracht (zu meiner Entschuldigung: ich hatte Hunger). Die Kirche ist übrigens St. Martin gewidmet, der hier aber gar nicht am 11.11. gefeiert wird...
  • Es gibt ein kleines, aber feines Café mit Filmverleih im Zentrum, wo man Filme vier Tage lang für nur 2,50€ ausleihen kann. Dort gab's einen Espresso und viel Literatur zum Thema bewegte Bilder...
  • Die Briocherie gegenüber vom Bahnhof spritzt auf Wunsch Marmeladen & Co. frische ins Milchbrötchen - ich entschied mich für die Maronencreme.
  • Hier gibt es nur Brioches... mit oder ohne Füllung
  • Statt strömenden Regen gab's vorrangig Sonnenschein, der sehr gut zum Blumenmarkt und meinem ersten Crepe des Jahres gepasst hat.
  • In der Touristeninfo fragte ich zuerst nach den vorrangig gezeigten Epochen im Kunstmuseum und ließ mir dann noch erzählen, was es sonst so für Museen in Tours gibt. So landete ich im frankreichweit einzigartigem Museum der "Compagnonnage", dem französischen Äquivalent für die deutschen Gesellenzünfte. Wer sich für Handwerk interessiert, MUSS eigentlich einmal dort gewesen sein - ich habe noch nie soviele Meisterwerke verschiedenster Künste auf einmal gesehen. Leider hatte ich den Akku meines Handys zuvor schon überstrapaziert, sodass ich nicht mit Bildern dienen kann. Ich versichere aber: das Museum ist klein, aber absolutsehenswert!
Nach den Höhepunkten füge ich noch eine kleine, für mich gestern eher ermüdende als lustige Episode hinzu: ich hatte meinen Gastgebern versprochen, abends zu kochen und wollte nicht allzu spät nach Hause kommen, also radelte ich bereits gegen 18:00 raus aus der Stadt, immer schön links der Loire entlang. Circa fünf Kilometer nach dem Ortsausgangsschild sah ich dann einen Hinweis auf den Weg zum Schloss Amboise... und da wurde mir endlich klar: ich bin in die falsche Richtung gefahren! Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich nicht allzu begeistert war. Es wurde letztendlich mithilfe der Tram ab Stadtmitte ein kleiner Wettlauf mit dem Sonnenuntergang - ich kam etwa 20 Uhr leicht frustriert und fröstelnd wieder bei meinen Gastgebern an. Einen Tee, ein paar Bratkartoffeln und ein Apfeltiramisu später ging's mir aber wieder gut.

"Strahlend schönes" Wetter

Vorbemerkung: Nachdem ich gestern eine halbe Stunde bei Expresso und Bahnhofsblick einen Regenetappeneintrag geschrieben und im OpenOffice-Format .odt abgespeichert hab, begrüßte mich beim Öffnen der Datei heute morgen ein leeres Dokument. Ich versuche also mal, meine gestrigen Erinnerungen in ähnlicher Form wiederzugeben.

Meine Dienstagsradelei von Saumur bis Tours bin ich schon im Voraus öfter abgefahren: noch einmal eine Runde durch die Stadt drehen, vom Schloss aus ins Loiretal schauen, dann über zwei Brücken hinüber auf die Nordseite, westwärts Richtung Tours, bis der Campingplatz ausgeschildert ist. Dort anhalten, vielleicht einen Plausch mit den Angestellten halten, weiter nach Westen bis zur Eisenbrücke, die mich rüber nach Montsoreau bringt...

Der Plan hat soweit gut funktioniert, nur hatte ich Land und Leute in meiner Vorstellung bereits in strahlenden Sonnenschein, gepaart mit luftigen Frühlingstemperaturen gepackt. Die Realität bescherte mir unendliche Weiten dicker Regenwolken, die sich über mir entladen wollten. Meine Regenhose war schon komplett durchnässt, als ich auf dem Zeltplatz angekommen bin. Insofern ganz gut, dass das neue Restaurant dort nicht nur in der Saison, sondern ganzjährig aufhatte - so konnte ich mich ein erstes Mal zwischentrocknen.

Es gibt Orte, die verändern in zehn Jahren komplett ihren Charakter - und solche, die bleiben trotz vieler Änderungen in ihren Grundzügen gleich. Zu letzteren zählt "mein" Campingplatz in Varennes-sur-Loire. Der Tennisplatz ist inzwischen eine Mischung aus Fußball- und Basketballfeld, das alte Lokal nicht mehr in Betrieb und wo früher die Eurocamp-Mitarbeiter geschlafen haben, steht heute eine kleine Eselfarm für die Kinder - aber ansonsten sah es aus wie vor elf Jahren, viel Grün, viele Eurocamp-Wagen im hinteren Bereich und die Chefin an der Rezeption macht auch immer noch denselben strengen, aber freundlichen Eindruck. Zwar hatte die Eurocamp-Saison noch nicht begonnen, aber der "reguläre" Zeltplatz war bereits in Betrieb.

Nachdem ich das Schloss von Montsoreau passiert hatte, begann für mich touristisches Neuland - es ist unglaublich, wie wenig ich damals von der Gegend gesehen habe! Tatsächlich habe ich in den drei Monaten Zeltplatzarbeit lediglich die großen Städte Nantes, Angers und Tours sowie die Schlösser von Saumur, Montsoreau und das "Leonardo-da-Vinci-Schloss" (Ort vergessen, muss ich nachschauen) besucht. Die restlichen freien Tage - ich arbeitete damals sechs von sieben Tagen in der Woche - brauchte ich hauptsächlich zum Gesichtsmuskelentspannen (wegen des Dauerlächelns gegenüber der Campingkunden) und Ausflügen zu den damaligen Cybercafés in Saumur. Merke: Fernbeziehung mindert touristische Auslandserfahrung!

Während die Wolken über mir also fleißig weiter aufdrehten, passierte ich ein paar neue Dörfer entlang der Loire, überquerte den Fluss Indre und konnte mich dann zwischen Straße und Fernradweg entscheiden. Meine erste Entscheidung fiel zugunsten des Radweges aus, was ich später ehrlich gesagt bereute. Dazu schreib ich ein anderes Mal mehr - in diesem Fall ergab sich das Bereuen vor allem durch die zusätzlichen Kilometer bei Sch...wetter. An der nächsten Weggabelung wählte ich also die D-Straße ("route Departementale", also sozusagen eine Landkreisstraße - die kann aber je nach Umgebung auch Bundesstraßencharakter haben) und fand mich plötzlich vor einer dicken, dunklen, nach Südwesten abdampfenden Kondenswasserwolke wieder.

Kondenswasserwolke

Meine Vermutung, dass ich gleich ein Kraftwerk von nahem sehen würde, bestätigte sich in Form von Schildern und großzügig verbautem Stacheldrahtzaun um ein riesiges Gebiet, dass sich als "Centre nucláire de Chinon" ausweiste. "Daher weht also der Wind! ", dachte ich und war froh, dass ich unter der Wolke hindurch und nicht am Schloss von Chinon durch Kondenswasserregen hindurchgestrampelt bin. Mir ist schon klar, dass die Kraftwerkswolken eigentlich gaaaaar nicht gefährlich sind... aber trotzdem ergab sich da so ein komisches Gefühl. Ich war ehrlich beeindruckt ob der Größe der Anlage, die eine ganz eigenartige Stimmung "ausstrahlte".

Gute zehn Kilometer weiter legte ich eine weitere Trocken- und Aufwärmpause bei heißer Schokolade in Rizne-Usse ein, wo ich die answesenden Gäste mit meinem Sonderwunsch (Zimt ins Heißgetränk) erstaunte. Meine Leggins sind auch nach einer knappen dreiviertel Stunde nicht wirklich getrocknet, aber immerhin ließ in der Zeit der Regen etwas nach, sodass ich die letzten 25 km vorbei am - schon geschlossenen - Schloss Villandry zumindest nicht mehr gefroren habe. Ganz ehrlich, 60 km im strömenden Regen mache ich nicht nochmal!

Regenradelei

Das Couchsurfing-Ehepaar aus Ballan-Miré, ca. 7km vor Tours, begrüßte mich schon leicht besorgt und ich war seeehr froh über die heiße Dusche, die ich mir zugleich gönnte. Und als Höhepunkt des Tages gab es auch noch ein "echtes" vegetarisches Abendbrot in Form von Tofuwürstchen und Bohnen-Möhren-Gemüse - mein Glück, dass die Tochter des Hauses auch Vegetarierin ist ;-) Und so fiel ich abends geschafft, aber zufrieden in mein Prinzessin-auf-der-Erbse-weiches Bett...

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deprifrei-leben - 4. Mär, 23:13
Danke für den Artikel....
Danke für den Artikel. Er trifft m.E. so manchen Nagel...
Waldwuffel (Gast) - 4. Mär, 22:04

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