Heute habe ich das erste Mal in meinem Leben als Fotomodell gearbeitet. Für ein 40minütiges Shooting inklusive Rikschafahrt zwischen Frauenkirche und goldenen Reiter haben die vier Chinesen je 20 € an mich und den Kollegen gezahlt. Der andere Fahrer mit seiner motorbeholfenen Plastikrikscha war für die Gäste allerdings nicht so interessant, sie standen beziehungsweise saßen eigentlich ständig neben und hinter mir.
Was ich allerdings nicht so toll fand, war die Idee, ein "Ich-küss-die-Fahrerin"-Foto zu machen. Ich bin noch rechtzeitig zurückgewichen. Also, liebe Herren der Schöpfung: bei Rikschafahrten sind Körperkontakte von Fahrerseite nicht erwünscht und damit auch nicht erlaubt!
Ich hab den Jungs übrigens dennoch meine Emailadresse gegeben, damit ich die Fotos dann auch mal sehen kann...
MuTZelchen - 9. Sep, 17:29
Im UFA-Palast Dresden laufen seit geraumer Zeit englische Filme in Originalsprache. Immer sonntags und montags 20:00 Uhr, Eintritt vier Euro. Gestern war ich wieder da - zu
"In Bruges", auf deutsch
"Brügge sehen und sterben". Es geht darin um zwei Auftragskiller, die aus unerfindlichen Gründen von ihrem Chef nach Brügge in Belgien geschickt werden und dort auf den nächsten Job warten. Ray, der jüngere der beiden, ist ein großer Junge, der sich in der mittelalterlichen Stadt zu Tode langweilt und außerdem noch daran zu knabbern hat, dass er beim letzten Auftrag unabsichtlich einen kleinen Jungen mit umgebracht hat. Der ältere Ken ist Kunstliebhaber und eigentlich viel zu lieb für einen Mörder...
Der Film ist ein herrliches Spektakel unerwarteter Ereignisse, heftiger Schimpfwörter und guter Hintergrundmusik.
Obwohl amerikanisch Der Film ist britisch-irisch, hat
er zwischendurch auch mal Tiefgang und macht sich über die Klischees der englischsprachigen Welt lustig. So bezeichnet Ray in einer Anfangsszene ein paar dicke Amerikaner als "fucking elephants" und lässt sich dann über den Marktplatz jagen - erfolgreich natürlich, denn der fette Tourist kann ja gar nicht so schnell. Ich musste fast weinen vor Lachen!
Die weibliche Hauptrolle spielt übrigens Clémence Poésy und ich musste die ganze Zeit überlegen, ob ich von ihrem Gesicht einfach nur begeistert bin oder sie schonmal in einem Film gesehen hatte. Wikipedia lieferte die Antwort: sie war Fleur Delacour in Harry Potter's "Feuerkelch". Als belgische Kleinstadtgaunerin gefällt sie mir aber viel besser. Ich empfehle also: sehen!
MuTZelchen - 9. Sep, 05:01
Heute war ein sehr schöner, wenn auch nicht so fahrtenreicher Rikscha-Tag. Da ich viel Zeit zum Beobachten von Touristen, Stadtführern und eben auch Fahrradtaxifahrern hatte, möchte ich die Ergebnisse gern hier niederschreiben. Und zwar für diejenigen, die schon mal über eine Rundfahrt in einer Rikscha nachgedacht haben:
1. Such Dir den Fahrer selbst aus. An manchen Standorten wie an der Frauenkirche gilt das Taxi-Prinzip (wer zuerst kommt, malt zuerst), bei dem sich unter anderem diejenigen einreihen, die keine "Eigenaquise" betreiben wollen. Das sind zwar nur wenige schwarze unter vielen weißen Schafen, aber man weiß ja nie... also lass Dich nicht unterkriegen und unterhalte Dich zuerst kurz mit dem betreffenden Fahrer!
2. Achte nur bedingt auf das Äußere der Fahrer - eine zierliche Frau kann manchmal interessantere Führungen machen als ein stämmiger Brummbär. Für die Arbeit als Rikschafahrer ist keine extreme Fitness vonnöten, sonst würde ich den Job auch nicht machen können.
3. Ist der Fahrer gebräunt? Wenn ja, dann ist er wahrscheinlich schon die ganze Saison unterwegs und Du hast bessere Chancen, einen erfahrenen Stadtführer zu erwischen.
4. Frag nach Alternativen zu der "klassischen Altstadttour". Ist der Fahrer ein Dresden-Kenner, so wird er Dir auch interessante Orte fernab von Frauenkirche & Co. zeigen können. Die Altstadttour kannst Du trotzdem machen, dort kennt er sich dann auch aus.
5. Sei freundlich zum Fahrer, dann ist er auch freundlich zu Dir. Es gibt zwar auch Strahlemänner- und frauen, aber einige kommen erst bei der Rundfahrt auf Touren...
6. Falls Dir die Rundfahrt gefallen hat, merk Dir den Namen Deines Chauffeurs und empfiehl ihn weiter. So wirst Du vielleicht auch einmal einen netten Fahrer empfohlen bekommen.
MuTZelchen - 7. Sep, 16:15
Die Mädels, die mir heute dort Cookies verkauft haben, meinten nämlich, dass sie die brüchigen Kekse nicht von der Auslage nehmen dürfen. Dafür können sie sie aber nach Ladenschluss essen. Wenn ich mir die Bruchquote meiner Cookies (schon gekauft!) ansehe - mmhhh...
MuTZelchen - 6. Sep, 19:41
Für Mathematik-Interessierte aus Dresden ist heute ein ganz besonderer Tag: das "Erlebnisland Mathematik" öffnet seine Pforten in den
Technischen Sammlungen. Die feierliche Eröffnung fand heut morgen um 11:00 Uhr statt, und ich war dabei. Außer mir auch noch die Größen aus Stadt und Universität Dresden: Oberbürgermeisterin, erster Bürgermeister und die geballte Professorenschaft der Mathematik an der TU.
Aber nicht nur Professoren aus Dresden waren zu Gast, und das war für mich etwas ganz Besonderes: Professor
Albrecht Beutelspacher, Mathematiker aus Gießen und Begründer des dortigen "
Mathematikums" saß im Raum. Das ist der Nick Hornby der Linearen Algebra! Außerdem hat er neben Lehrbüchern auch noch halbmathematische Prosa, zum Beispiel "Pasta all’infinito. Meine italienische Reise in die Mathematik" verfasst. Ehrlich, wenn ich ein Vorbild hab, dann ihn!
Leider hab ich es nicht mehr geschafft, ihn anzusprechen, denn er war kurz nach dem Sektempfang schon nicht mehr in den Ausstellungsräumen. Wieso auch, immerhin sind die Hälfte der Exponate Nachbildungen aus "seinem" Museum in Gießen. Dafür habe ich aber später noch meine
Algebra-Professorin an der Bushaltestelle getroffen und im Gespräch mit ihr herausgefunden, dass sie so wie ich schon einmal in Lappland war. Sie ist übrigens nach dem Herrn Beutelspacher mein nächstes "Idol"...
MuTZelchen - 5. Sep, 14:36
Hier mal ein Tipp für die literarisch interessierten Dresdner: übermorgen, also am 6.9.08, liest Leonie Swann im Goetheinstitut aus ihrem Roman "Glennkill". Das Buch hatte ich in Schweden in unserem Alles-Schrank gefunden und gleich begeistert gelesen. Es geht um eine Herde Schafe, einen Mord und die blökende Menschenschaft. Mehr zu Buch und Lesung
hier und
hier.
MuTZelchen - 4. Sep, 08:04
Langsam bekomme ich kalte Füße - es ist schon September und ich weiß immer noch nicht, welchen Stadtteil ich in einem Monat meine Heimat nennen werde. Immerhin möchte ich dort die nächsten zwei Jahre meines Dresdner Lebens verbringen und da möchte das Zimmer sorgfältig ausgewählt werden. Bei meinen Ansprüchen und finanziellen Vorstellungen gar nicht so einfach!
Dabei sah es am Anfang so gut aus: kaum war ich zurück aus Schweden, wurde mir gar eine ganze WG zur Neubelegung angeboten, kurz darauf hörte ich von der oktoberlichen Freiwerdung eines Traumzimmers in der Stadtmitte. Doch nix davon hat sich bis jetzt in einen realen Mietvertrag verwandelt und da ich nicht blauäugig durch die Gegend streife, bin ich jetzt fleißig am WG-Sichten. Bisher gefiel mir allerdings nur eins der Angebote und das wird aufgrund seiner Lage und des Preises sicherlich nicht konkurrenzlos zu haben sein.
Das Suchen hat aber auch seine Vorteile - ich gerate auf Straßenzüge, die ich bei Radfahrten sonst außer acht gelassen habe und erkunde Dresden-Neuland. Die Gegend um den Wasaplatz zum Beispiel ist einfach herrlich!
MuTZelchen - 3. Sep, 10:15
Heute nacht gegen 23:50 Uhr bin ich mit dem Fahrrad vom Großen Garten in Richtung Pirnaischer Platz gefahren und sah plötzlich eine katzengroße, aber nicht katzenähnliche Gestalt über die Straße huschen. Bei näherem Hinsehen entpuppte es sich als Fuchs, der mich sich auf 10 Meter annähern ließ. Irgendwie hab ich es dann doch nicht geschafft, ihn scharf aufs Digitalkamerabild zu bekommen, sodass hier leider kein Beweisfoto abgelichtet werden kann. Wo doch der Fuchs als schlaues Tier gilt - was zum Teufel macht er im Stadtzentrum?
MuTZelchen - 3. Sep, 03:38
Was macht man in einer 802-jährigen Stadt, die reich an Kunst-, Kultur- und Architekturgütern ist, bei strahlendem Sonnenschein? Einkaufen!
Habe heute dreimal Leute in die Nähe von Einkaufszentren gefahren und mindestens doppelt so oft Fragen nach der nächsten Bank, Shoppingmöglichkeit und Metzgern (!) beantwortet. Nebenbei gab's auch noch eine Stadtrundfahrt für einen alleinstehenden Kanadier sowie eine Taxifahrt zur nächsten Bushaltestelle für eine ältere Dame, die nicht mehr so schnell zu Fuß war. Und bin mit meinem sehr spärlichen Spanischkenntnissen bei den wild wedelnden Venezualern nicht weitergekommen :(
Ja, Touri-Dresden macht derzeit einen sehr internationalen Eindruck. Und das scheint besonders durch betuchte Russen auch den Shoppingmeilen gutzutun.
Nachtrag: Nicht nur Russen, sondern auch Australier gehen gern einkaufen. Nur wussten meine Fahrgäste die nicht, dass in Deutschland die Geschäfte sonntags schließen. Sie waren ganz schön enttäuscht, denn sie hatten sich am Samstag einige Kleider zurücklegen lassen...
MuTZelchen - 30. Aug, 17:54
Die Zeit des Heimaturlaubes hat ein Ende, jetzt wird wieder gearbeitet! Gestern war ich wieder zurück in den Altstadtstraßen Dresdens, unter mir der Sattel einer Rikscha, um mich herum Touristen und andere Fahrradtaxisten. Es war auch wieder einer dieser "guten" Tage - lange Stadtrundfahrten, auf denen man viel erfahren, erzählen und wenig strampeln musste.
Und wieder einmal ein amerikanisches Pärchen, die beeindruckt von Stadt und Menschen mehrere Stunden in meiner Rikscha verbracht haben und dabei quasi ALLEs über Deutschland erfahren wollten. "How do you elect the German chancellor?" - "What did your parents think about the German reunion?" - "Do you think Germans are hostile against Americans?"... recht politische Fragen, wenn man es so betrachtet. Mich hat dann irgendwann schon interessiert, welche Partei sie wählen: Republican. Schade eigentlich ;)
Interessant war, wie die Leute einen anstarren, wenn man mit den Gästen Englisch spricht. "They're impressed by a woman pedaling!" war der Kommentar meines Fahrgastes. Und weil ich mich so wacker auf Ausländisch geschlagen habe, gab es am Ende auch Trinkgeld - 20 Dollar.
MuTZelchen - 29. Aug, 10:59