Dienstag, 15. Juli 2008

Optische Wettertäuschung

Gestern früh bin ich halb schweißgebadet aufgewacht, streckte meine Hand kurz raus aus dem Fenster und entschied mich für den schwarzen Leinenrock und mein ärmelloses Sonnenschein-Shirt. Darüber die dunkelgrüne Leinenjacke, Sandalen an die Füße, und auf zur Uni!

Dass ich mich dort mehrmals fragen lassen würde, ob mir denn nicht kalt sei, hätte ich nicht erwartet. Immerhin waren es gefühlte 22°C - eine Temperatur, die in Lappland Hochsommergefühle weckt. Der Grund für die warme Verpackung meiner Mitstudenten ging mir erst später auf: es waren Wolken am Himmel.

Bewölkter Himmel = kalt.

Im nordschwedischen Frühling war es eben andersrum, da bedeutete freier Himmel Eiseskälte und Wolken relative Wärme, und vielleicht habe ich deshalb gestern nicht nach oben geschaut. Heute nämlich schon - im Moment trage ich eine Jeans und T-Shirt. Hab erst ganz schön geschwitzt bei der Radfahrt durch die Stadt...

Montag, 14. Juli 2008

Erkenntnis

"Was in den Kopf gehen soll, muss auch durch die Hand gehen" - eine Mathematikerweisheit, dank der ich noch Vorlesungen mit Kreide an Tafel hören, sehen und mitschreiben darf.

Leider geht nicht alles, was durch den Kopf geht, auch in die Hand.

Wäre vielleicht auch nicht gut für diesen Blog.

Samstag, 12. Juli 2008

"Ab in den Norden" - jetzt nicht mehr :(

Ein Blick auf den Kalender, und mir wird bewusst, wie schnell die Zeit vergeht: vor einem Monat war mein vorletzter Arbeitstag in Gällivare, gestern der letzte Praktikumstag meines Mitbewohners und ab heute hat die GPV vier Wochen Betriebsferien. Das heißt für die meisten Sachen packen, zum Flughafen fahren und ab in den Süden!

Auch ich befinde mich ja nun lange nicht mehr in den kalten Gefilden Nordschwedens und insofern wird der Titel dieses Blogs langsam ad absurdum geführt. Seit knapp einer Woche dusche ich jeden Tag - ich Sonst-Dreckschwein, ich weiß! - was ganz allein auf die hiesige Hitze zurückzuführen ist. Und mit dem ganzen Grün, den Feldern, Wiesen und vielen Menschen, die mich hier umgeben, fühle ich mich auch nicht mehr richtig nordisch. Und obwohl ich den Trubel hier vermisst habe, denke ich doch ein ganz klein wenig wehmütig an Gällivare und die es ruhig angehenden Schweden.

Wie man es dreht und wendet: jetzt bin ich wieder hier, das Leben geht weiter, und das in einem Tempo, bei dem einem manchmal Angst und bange wird. Mein vor dem Praktikum gefasster Nach-Schweden-Plan hat sich um 180° gewendet und nun bin ich auf der Suche nach Wohnung, Arbeit und einem nächsten Mathematik-Semester, in dem ich mal richtig "was schaffe". Die Motivation ist da, nun fehlt nur noch der Glaube an sich selbst und das Durchhaltevermögen...

Und was sonst noch fehlt: der passende Blogtitel. Ab in die Uni? Ab ins Bett? Ab in das Single-Leben? (kleiner Wink mit dem Zaunspfahl und nein, das ist nicht mein Ernst für einen Blogtitel!) Ich geb zu, das "Ab" würd ich gern drinlassen, da man bei alphabetisch geordneten Bloglinklisten dann immer ganz oben steht. Lasst Euch also nicht verwundern, wenn ich demnächst mit "abgedrehten" Titelzeilen experimentiere!

Mittwoch, 9. Juli 2008

Die Inlandsbana

Nachdem ich ganze 1042 mit der Inlandsbana (Inlandsbahn) durch Schweden getuckert bin, möchte Euch dieses "Erlebnis", wie es von der Werbung versprochen wurde, nicht vorenthalten. Zuerst einmal ein fotografischer Eindruck, welches Marketing die Betriebsgesellschaft an den Haltestellen des Zuges betreibt:



Neben diesen schönen Fahnen findet man in vielen Reiseführern und Zeitungen den Hinweis, wie schön eine Fahrt durch die Mitte Schwedens mit dieser Bahn sei. Die Inlandsbana selbst gibt sowohl ein kleines Reisemagazin als auch einen kulinarischen Führer entlang der Reise heraus, der viel erwarten liess. Da ich sehr gerne Zug fahre und auch schon einige interessante bis touristische Strecken (ich sage nur: Harry-Potter-Zug) gefahren bin, erwartete ich also einen etwas älteren Zug mit mehreren Abteilen, klassisch gekleidetem Zugbegleiter und einer Durchsprechanlage, die geographisch-kulturelle Informationen an die Reisenden weitergibt.

So war ich dann schon etwas überrascht, als ich am Montagmorgen am Gällivarer Bahnhof stand und genau EINEN Waggon, an eine alte Straßenbahn erinnernd, vorfand. Dazu eine junge Frau in schwarzer Stoffhose, rotem T-Shirt, Jacke und schwarzem Basecap. Eine Uniform, die mich stark an meine Zeit als Gästebetreuerin bei Eurocamp erinnerte...

Als wir lostuckerten, stellte sich heraus, dass die Lautsprechanlage leicht defekt sei, sodass die Begleiterin wechselnd per Mikrofon und direkt im Abteil über die nächsten Stopps referierte. Den Anfang der Strecke kannte ich ja schon: Porjus, Vajkijaur, Jokkmokk - alles Orte, die mit weniger als 2 Autostunden Entfernung quasi direkte Nachbarschaft von Gällivare waren. Am Polarkreis, den ich diesmal an einer anderen Stelle als mit dem Auto überquerte, machte die Bahn natürlich einen obligatorischen Halt. Und wie später noch oft, stand ein netter Norrländer mit Souvenirs und Erfrischungen bereit, der sogar ganz lieb in meine Kamera lächelte:



Die Haltepunkte nach dem Polarkreis waren allesamt neu für mich, allerdings auch meist dasselbe: ein oder zwei Häuschen an der Strecke der Inlandsbana, deren Einwohner wahrscheinlich von den Einnahmen des zwei Monate andauernden Inlandsbana-Tourismus leben. Der Fahrplan beinhaltete länger Essenspausen an solchen Stellen, da in der Bahn selbst keinerlei Gastronomie angeboten wurde. Manch ein Ort an der Strecke hatte auch noch etwas Besonderes zu bieten, wie ein kleines Eisenbahnmuseum oder Verkäufer in traditioneller schwedischer Tracht. Für 14 Stunden Fahrt waren dann die Attraktionen für mich dann aber doch etwas dünn gesät. Lag natürlich nicht an der Inlandsbana, sondern der Bevölkerungsarmut Norrlands. Außerdem muss ich zugeben, dass mich nach drei Monaten Gällivare die Natur nicht mehr wirklich beeindruckt hatte. Im Gegenteil, jedes bisschen mehr Grün am Weg (Wiesen und Felder gibt's in Lappland quasi nicht) ließ mich auf den "Süden" hoffen. Und immerhin, die Inlandsbana lässt sich ja auch was einfallen - am Pite-Fluss konnten wir alle aussteigen, zu Fuss über die alte Eisenbahnbrücke laufen und dann fleißig Fotos von der Zugüberquerung schießen:



Halb neun abends kam ich in Östersund an, wurde dort von netten Schweden abgeholt, mit denen ich den nächsten Tag und zwei sehr nette Abende verbrachte (Besuchstipp: Jamtli, das Freiluftmuseum!). Am Mittwoch begab ich mich dann auf die zweite, kürzere Strecke der Inlandsbana, von Östersund bis Mora. Diese hatte dann für mich einen höheren Erlebniswert, und zwar deswegen
  • mehr Orte und Menschen, die ich entlang der Reise beobachten konnte
  • mehr "Attraktionen" am Weg, zum Beispiel der Kühlwasserzufluss zur alten dampfbetriebenen Inlandsbana aus einem höhergelegenen See (siehe Foto unten)
  • nette Unterhaltungen mit dem Zugbegleiter und deutschen Mitreisenden
  • Kollision mit einem Auerhahn, der das ganze leider nicht überlebte - zwei Tage vorher mussten wohl zwei Rentiere dran glauben
  • Seen, Wiesen, Felder, rote Häuser - Dalarna, das Herz Schwedens


Fazit meiner Reise mit der Inlandsbana: fahren, denn damit unterstützt man den inländischen Zugverkehr! Aber die Strecke zwischen Östersund und Gällivare in kleinere Teilstrecken unterteilen und Wandertage an den Stationen einlegen. So bekommt man einen besseren Eindruck über norrländisches Leben, die karge Natur und erspart sich vor allem 14 Stunden Sitzen. Für die Rückfahrt würd ich dann allerdings die Strecke über Lulea und Stockholm empfehlen... Reiseanfragen bitte an mich ;)

Sonntag, 6. Juli 2008

"Ne ganz wichtige Info"

Ich bin Tante. Schon seit SIEBEN Tagen.

Herzlich willkommen, Jakob!

Die letzten Tage...

Nun bin ich also wieder da. Zurück in Dresden, der vielleicht schönsten Stadt der Welt. Mit Stockholm. Und Malmö.

Meine letzten Urlaubstage waren noch richtig abenteuerlich. Die Übernachtungsgelegenheit in Kopenhagen entpuppte sich als harter Holzfußboden in einer buchstäblichen Einraumwohnung mit wortkargen Gastgeber und das wollte ich meiner späteren Miturlauberin dann doch nicht zumuten. So haben wir uns dann noch kurzfristig nach einem Hostel umgesehen, dass uns für schlappe 17€ pro Nacht in einem Vielbettraum schlafen lassen hat. Erinnerte ein wenig an Turnhallenübernachtungen mit meinem früheren Orchester, nur dass die Schlafplätze durch Mehrzweckbürowände voneinander getrennt waren.

Neben dieser minimalen Umdisposition musste auch ich nochmal meine Reisepläne ändern - mein Ticket war nämlich verschwunden. Also überlegte ich mir spontan, dann doch einen Tag eher zu fahren und fand auch eine recht günstige Busverbindung von Kopenhagen nach Berlin und später nach Dresden.

Kopenhagen war ein schönes, aber auch sehr teures Pflaster. Am ersten Abend war ich noch an den touristischen Höhepunkten - kleine Meerjungfrau, Residenzschloss, Christiania - und die nächsten Tage haben wir es uns hauptsächlich gutgehen lassen: Bummeln durch die Straßen, Bestaunen der mehrtägigen Abifeiereien, Gespräche über Gott, die Welt und die Liebe. Das Tivoli und die wahrscheinlich sehenswerten Museen haben wir halb aus Geld- und halb Zeitgründen links liegengelassen.

Am 30. Juni, nach einem traurigen EM-Finale und der zweiten Nacht im Turnhallenhostel ging es dann schon nach Hause. Die letzten Kronen gingen auf der Fähre von Gedser nach Rostock für Salat und Mitbringsel-Schokolade drauf, und so kam ich mittellos abends um acht in Dresden an.

Und jetzt bin ich wieder hier. Im Süden. Alles ist warm und so viele Leute auf der Straße, der Elbe, der Uni. Zeit zum Baden gehen und Leben sortieren!

Freitag, 27. Juni 2008

Hej-då Sverige!

In einer Stunde bin ich wohl nicht mehr in Schweden - ich sitze gerade bei meinem Malmöer Gastgeber im Wohnzimmer, schau nach draussen und frage mich, ob wir es halbwegs trocken über die Öresund-Brücke schaffen. Denn heute regnet es schon den ganzen Tag, mal mehr und mal weniger stark.

Dafür waren die letzten Tage eigentlich richtig schön. Nachdem ich mich entschlossen hatte, statt einer langsamen Südwärtsreise den Zug nach Borås zu meinen Verwandten zu nehmen, regnete es sich dort noch ordentlich aus (aber da hatte ich ja ein Dach über dem Kopf und ausserdem den besten schwedischen Grossonkel der Welt nebenan). Am Dienstag fuhren Ralf und ich weiter ans Meer, wo wir zusammen mit der jüngeren Verwandtschaft noch anderthalb richtig schöne Tage verbracht haben. Inklusive Meerbaden, Quallenwerfen, Eisessen, Museumsbesuch in Varberg und Deutschland-Halbfinale. Tack så mycket, kann ich da nur sagen!

Jetzt freu ich mich auf drei Tage Kopenhagen und dann auf zu Hause, meine Familie, den Nachwuchs und meine Freunde. Vi ses snart!

Samstag, 21. Juni 2008

Das war wohl nix...

Eigentlich wollte ich jetzt hier einen langen, ausführlichen, um Mitleid heimschenden Artikel schreiben über Midsommar und wie wir die traditionellen Feierlichkeiten wegen dem Mistwetter verpasst haben (wir haben nämlich bis halb zwölf gewartet, bis der Regen weniger wurde, wir aus dem Zelt treten konnten und sind pitschnass um eins im Hostel Karlstad angekommen, wo wir uns erstmal trocknen wollten). Aber jetzt habe ich nur noch 15 Minuten Internet und will noch ein paar Emails nach Deutschland schicken.

Nur soviel: es war nicht mein letztes Midsommar in Schweden, denn ich will wenigstens einmal in meinem Leben um einen Midsommarbaum tanzen!

Dienstag, 17. Juni 2008

Östersund

Nun bin ich doch nochmal ans Internet gekommen, hier im Arbeitszimmer meiner Gastgeber. Die haben mich gestern zusammen mit einem Freund vom Bahnhof abgeholt und nach einem kleinen ICA-Einkauf haben wir zuhause bei Morotskaka und Kaffee Fussball geguckt. Deutschland-Österreich, mit "positiven" Ausgang und Platzverweis für die Schiedsrichter - nur dass keiner wusste warum.

Heute bin ich nun ein bisschen durch die Stadt gelaufen, versehentlich in den falschen Bus gestiegen und habe damit noch die Insel Frösön besichtigt, bevor es plangemäss ins Industriezentrum ging. Dort habe ich im "Motorhuset" meinen ersten Motoradhelm erstanden, der ab morgen fleissig genutzt wird. Mittag ass ich mit meinen Gastgebern in einem Restaurant mit Dachterasse, bei herrlichem Wetter.

Kultureller Höhepunkt war wahrscheinlich Jamtli, ein Freiluftmuseum über das Leben in Jämtland (so heisst das hiesige Staatsgebiet oder "län") früher. Leider waren die Aktivitäten noch auf ein Minimum begrenzt, weil die Saison erst zu Midsommar beginnt. Das angeschlossene Museum bot dann aber trotzdem noch viele Informationen.

Und jetzt? Bin ich wieder in der schönen Wohnung in Nord-Östersund und lasse den Tag Tag sein. Später schauen wir sicher noch nen Film...

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MuTZelchen - 16. Nov, 17:44
Der Artikel gefällt mir...
Der Artikel gefällt mir sehr gut. Ich weiß nicht, ob...
deprifrei-leben - 4. Mär, 23:13
Danke für den Artikel....
Danke für den Artikel. Er trifft m.E. so manchen Nagel...
Waldwuffel (Gast) - 4. Mär, 22:04

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