Leute, ich bin nervös!
Habe gerade versucht, meine ganzen Nicht-Urlaubs-Sachen in den Koffer zu stopfen und bin mit dem Platz gerade noch hingekommen. Gleich fahr ich nämlich in die Firma, verpacke das Ganze nochmal als Postsendung und lasse es mir nächste Woche per Postweg zusenden. Freundlicherweise auf Kosten des Betriebs.
Begrenzung der Postsendung: 20kg. Das ist genausoviel, wie ich hinzu auf dem Flug mitnehmen konnte. Nur dass ich damals Laptop und Klarinette im Handgepäck hatte. Dafür nehm ich ja jetzt einiges auf die Reise mit. Eigentlich müsste es also hinhauen, aber irgendwie fühlt sich der Koffer doch recht schwer an...
Wie auch immer, im Notfall gebe ich den Laptop einzeln auf. Das bedeutet also: kein Blogeintrag mehr in absehbarer Zeit. "Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche ein paar schöne Sommerwochen."
Und tschüss.
[NACHTRAG: Als ich mit schweren Koffer in der Firma ankam, grüsste mich ein sächsischer Kollege und ich fragte ihn, ob er mir beim Verpacken helfen kann. Daraufhin meinte er, dass es auch viel einfacher ginge - nächste Woche fährt er und ein anderer Sachse per Auto gen Heimat und könnte die Sachen auch einfach mitnehmen. Also Koffer unverpackt wieder mit nach Hause genommen, aufgeatmet und sich darüber gefreut, Sächsin zu sein!]
MuTZelchen - 15. Jun, 13:30
Bevor ich das Land der unbegrenzten sozialen Sicherheit verlasse, möchte ich noch einmal über die wohnlichen Verhältnisse hier schreiben. Die erinnern auf den ersten Blick nämlich stark an das Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten (wenn man 10 Fingerabdrücke abgibt, sich online anmeldet und immer fein höflich zu den Zollpersonen ist), auf den zweiten und dritten Blick zeigt sich aber die schwedische Wohnkultur...
Der erste Blick also: der Anteil an Hausbesitzern in Schweden ist mit 65% im Vergleich zu den deutschen 43% sehr hoch. Damit liegen sie zwar noch weit hinter den Norwegern mit 86% zurück, aber immerhin besitzt mehr als jeder zweite ein Haus, in dem er auch tatsächlich wohnt. Und diese Häuser, besonders die neuen, haben meist etwas amerikanisches - oft sind sie nur eingeschossig, so gut wie immer aus Holz und ihre Dämmung lässt zu wünschen übrig. Warum sollte man sich auch Gedanken darüber machen, wenn Energie- und Wasserpreise "dank" der Mischung aus Wasser- und Atomkraft so gering sind? Übrigens haben die meisten Wohnungen Elektroheizung.
Auf den zweiten Blick: die Mieten und Mietshäuser sind - im Gegenteil zu den USA - gar nicht so schlecht! Für unsere geschätzten 60qm mit Wohnzimmer, zwei kleinen Schlafzimmern, Küche und Bad bezahlt die Firma immerhin nur knappe 500 €. In Dresden müsste man da schon noch mindestens 100€ drauflegen, allerdings ohne die Annehmlichkeiten, die hier gleich inklusive sind: Waschkeller mit modernen Waschmaschinen, Trocknern und dazu noch eine Sauna, die nach Anmeldung privat genutzt werden kann. Wird leider gerade repariert.
Und nun der dritte Blick: auch wenn man nur zur Miete wohnt, heisst das nicht, dass auf Grundstückseigentum verzichtet wird. Das Zauberwort heisst "Stuga" und ist hier in Lappland der Grund dafür, warum im Sommer viele Geschäfte am Wochenende komplett schließen und in der Woche verkürzen. Sommertime is stuga-time! Bei ca. 9,1 Mio Einwohnern und 860 000 Freizeithäuschen kommt so jede dritte Familie auf ein eigenes Häuschen im Grünen. Und dort wird: gelesen, gebadet, gebastelt aber vor allem renoviert und gestrichen. Das typische Schweden-Häuschen will ja auch weiterhin hübsch rot deutsche Touristen anstrahlen. Falls sie sich jemals mitten in den Wald verlieren.
MuTZelchen - 14. Jun, 10:04
Da isser mal wieder, der Freitag mit der bösen Nummer. Wobei ja die 13 in manchen Kulturen eher Glück als Pech bringt. Schauen wir mal, wie sieht's denn heute aus:
- unruhig geschlafen, halb sieben aufgestanden
+ Fikapaus
- Regen
+ letzter Arbeitstag
- Kälte
+ Abschiedsparty abends
- aber wer weiss, ob ich die magischen 5 Personen schaffe...
+ 4 von 5 Lernkapiteln fertig
+ Übernachtung in Kopenhagen gefunden
+ Resteintrittskarten zur Schwimmhalle verkauft
+ Bahntickets bezahlt
Fazit: nix mit schwarzer Tag, heute wird gefeiert!
MuTZelchen - 13. Jun, 14:37
Heute ist mein vorletzter Tag auf Arbeit und da morgen schon jemand Kuchen mitbringt, hab ich meinen "Ausstand" vorverlegt. Allerdings wird's nix Selbstgebackenes geben, sondern solides Supermarkt-Eis.
Dazu sollte ich vielleicht in die letzte Woche zurückgehen: bei 20 Plusgraden sass die halbe Bürobelegschaft draussen beim Mittagessen und stöhnte über die Hitze. Irgendwer liess das Wort "Glass" (=Eiscreme) fallen und plötzlich kam eine halbstündige Unterhaltung über Speiseeissorten, Vorlieben und Wer-denn-ab-dem-nächsten-Tag-Eisholer-wird in Gang. Ich selbst halte mich ja schon für einen Eiscremeliebhaber, aber ganz so lange habe ich es dann doch nicht in der Materie ausgehalten. Bin da wohl eher Kugeleis- und Ben&Jerry's-Spezialist als Tiefkühlregalkenner.
In dem Zusammenhang muss ich mal auf eine interessante Studie hinweisen, die ich bei markeneis.de gefunden habe. Da ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Speiseeis von Europäern im Jahre 2007 verglichen worden und führend sind... nicht die Italiener, auch nicht die Spanier... die Finnen mit 14,5 Litern. Dann folgen Norwegen (11,7l), Schweden (11,6l), Dänemark, Deutschland, Italien (jetzt!)... am Ende liegt Portugal mit 4 Litern. Fällt Euch was auf? Je nördlicher, desto mehr Eis!
Dabei gibt es in Gällivare zumindest noch nichtmal ein anständiges Eiscafé. Ich habe mein Kugeleis neulich im Kiosk gekauft und das war definitiv nicht handgemacht! Noch so eine Marktlücke...
Nun gut, in den Tiefkühlregalen bietet sich mehr Auswahl, es gibt nicht nur Magnum, Solero und Billigeis, sondern noch Waffelsorten wie zum Beispiel das Daim-Eis (gibt's auch bei Ikea) und nicht zuletzt eine nordische Spezialität: Lakritzeis. Brrrr!

MuTZelchen - 12. Jun, 07:51
Seit fünf Tagen, also genau seitdem ich die Packung gekauft habe, esse ich "Chokladbollar". Das sind diese leckeren Schokoladenbälle, die es auch bei Ikea zu kaufen gibt. Stehen meistens neben den fast noch besseren "Punschrullen" ;)
Nachdem die Packung leer war und sich mein schlechtes Gewissen eingekratzt hat, habe ich im Internet mal nach Rezepten gesucht und bin dabei auf die Seite
www.chokladboll.com gestossen. Die gibt neben dem Rezept folgendes zum Besten: früher hiessen die Dinger "Negerbollar", also Negerballen. Und das ist böse! Ja, wie kann man denn etwas Süsses nur aufgrund seiner Farbe "Neger" schimpfen! Das ist doch kein nettes Wort und diskriminierend noch dazu. Also am besten gar nicht erst in den Mund nehmen (das N-Wort, nicht die Schokobälle!)...
Mich erinnert das ganze an unsere deutschen
Negerküsse Mohrenköpfe Schaumküsse. Und daran, dass mein Lieblingsphysiklehrer die mal korrekt als Schaustohaumiwaba - "Schaumstoffhaufen mit Waffelbasis" genannt hat. Die mag ich eh nicht.
Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis Sarotti den Mohr von der Packung nehmen muss.
MuTZelchen - 11. Jun, 07:51
MuTZelchen - 10. Jun, 15:12
Meine Zimmerwände sind schon lange nicht mehr leer, es ziert sie nun eine bunte Mischung aus Postkarten, ein Plakat und mein Audrey-Hepburn-Bild. Habe mich immer wieder gefreut, wenn eine neue An- oder Einsicht durch den Briefkastenschlitz in die Wohnung geflattert ist. Und gestaunt habe ich auch manchmal, wie fleissig manche sind, allem voran meine Familie. Dankeschön!
Leider konnte ich bis jetzt noch nicht allen antworten, unter anderem auch, weil mir die aktuellen Adressen fehlen... falls DU also davon betroffen bist, nimm es mir nicht übel oder schick mir eventuell nochmal Deine jetzige Bleibe. Drei Wochen Zeit hab ich noch!
Ich möchte mich hiermit also herzlich für die liebe Post bedanken und freu mich schon auf ein Wiedersehen.
MuTZelchen - 10. Jun, 07:51
Vor zweieinhalb Stunden bin ich von meinem Kurzausflug ins 8 Bus- und Zugstunden entfernte Tromsö (eigentlich mit "durchgestrichenem" o am Ende) zurückgekommen. Wer auch immer vorher gesagt hat, dass diese Stadt langweilig sei - ich verrate nicht, dass das ein Kollege war - sollte mal seine Reiseführerkompatibilität testen, ich fand's nämlich traumhaft. Vor allem im landschaftlichen Vergleich mit Gällivare.
Übernachtet habe ich bei einer polnischen Austauschstudentin und ihrem Freund, durch die ich auch gleich noch Kontakte zu einer Chilenin knüpfen konnte, die schon seit längeren in Tromsö wohnt. Die hatte wiederum einen Gast aus Spanien da, uns ein wenig die Stadt gezeigt und wir sind dann später zu zweit noch einen Berg hochgekraxelt. Die Aussicht war einfach wunderbar!
Nach fast drei Monaten im 8000-Seelen-Ort Gällivare war es schön, mal wieder Studenten in den Straßen und verschiedene Bars (wenn auch nur eine von innen) zu sehen. Die Läden hatten leider - sonntagsbedingt - geschlossen. Übrigens sind Supermärkte in Norwegen so wie in Deutschland geschlossen, ein Glück für die Verkäufer! Dafür habe ich drei Museen besucht, darunter das "Polaria"-Museum, dass Leben und Forschung in Arktis und Antarktis behandelt. War zwar nicht besonders billig, aber dafür gab's auch echte Seerobben... und was ist in Norwegen schon günstig? Für ein Stück Käse und 0,5l Saft für die Heimreise habe ich schlappe 8€ berappt. Wie gut, dass ich ansonsten autark von schwedischer Supermarktkost gelebt habe.
Interessant war auch, wie gut das in Norwegen mit der Verständigung klappt. Ich habe einfach permanent schwedisch gequasselt, mich beim Zuhören besonders angestrengt, und bin komplett ohne Englisch ausgekommen. Sogar für eine Unterhaltung mit meiner netten älteren Sitznachbarin im Bus hat es gereicht.
Hier noch ein Foto von mir vor der nördlichsten Universitätsstadt Europas:

MuTZelchen - 9. Jun, 22:23
So, das "Personalmiddag" ist vorbei, ich leicht angeheitert und mit diversen Weisheiten ausgestattet:
- Kartoffelgratin schmeckt richtig gut mit viiiel Knoblauch
- Deutsche fluchen bedeutend weniger als Schweden (oder sagt ihr etwa dreimal pro Satz "scheiße"?)
- wenn Alkohol teurer ist, dann trinkt man zwar nicht jeden Tag, aber dafür umso heftiger, wenn's mal was gibt ("Was hast Du da?" - "Keine Ahnung? Vad som helst!")
- "Jävla tyskarna" ist nicht unbedingt das, was ein alkoholisierter Deutscher am Abend hören möchte, vor allem nicht, wenn er zu viele Testosterone mit sich herumschleppt (Gottseidank ist jemand dazwischen gegangen)
- wenn ich angetrunken Schokolade esse, habe ich weniger schlechtes Gewissen
Fotos folgen...
MuTZelchen - 6. Jun, 23:10