Freitag, 27. Februar 2015

Planwechsel 1

Ich liebe am Reisen, dass es immer anders kommt als man denkt. So auch jetzt, gleich zu Beginn meiner Tour:

Das letzte Fragezeichen in meinen Vorbereitungen war die Frage, wie ich Luigi nach Montpellier bekomme. Man mag ja meinen, dass Radreisen heute nichts ungewöhnliches mehr ist und es genügend Fahrradstellplätze in Bussen und Bahnen geben sollte - immerhin bin ich schon vor fünfzehn Jahren mit meinem damaligen Begleiter "Old Knatterhand" per Zug von Bautzen nach Rostock gekommen - aber die Franzosen sind da speziell. Zwar gibt es eine eigens für Fahrradfahrer angelegte Website des dortigen Bahnunternehmens SNCF, das ist aber auch schon alles in Sachen Komfort für den ambitionierten Rad-und-Bahn-Kombinierer. Es ist auf Fernreisen mit dem TGV nur in Ausnahmefällen möglich, ein nicht demontiertes Rad mitzunehmen, zudem gibt es selbst für die wenigen Zugoptionen keine automatisierte Möglichkeit, den Drahtesel dann einfach online mitzubuchen. Stattdessen soll man eine (französische) Nummer anrufen und (zeitgleich zur Buchung!) einen Rad-Stellplatz reservieren.

Die Online-Zugbuchung fiel also raus, weswegen ich zur deutschen Dependance des Zugverkehrs gegangen bin und mein Anliegen vorgetragen habe. Ich gebe zu, das war erst am Montag und insofern ein wenig spät... jedenfalls ergab die Recherche der DB-Mitarbeiterin, dass selbst für die Bummelzugverbindung die Fahrradstellplätze auf französischer Seite bereits ausgebucht sind. Als sie mir dann noch den Bahncard-50-Preis der Zugfahrt mit auseinandergebautem Fahrrad nannte, entschied ich mich spontan, es doch anders zu versuchen. Ich buchte also ein Busticket nach Montpellier bei Eurolines, setzte (leider) keinen Haken bei "Stornomöglichkeit - 5 €" und freute mich auf die Abfahrt am Freitag.

Am Mittwoch bin ich dann in Dresden nochmal beim Bus-und-Hauptbahnhof vorbeigeradelt und fragte interesse-(und-hoffnungs-)halber einen dortigen Fernbusfahrer, wie denn meine Chancen ständen, ein demontiertes und verpacktes Rad als Reisegepäck im Bus durchzukriegen. Seine Antwort war ziemlich ernüchternd: "Nee, junge Dame, det kriejen se nich durch. Da müssense schon Sperrjepäck uffjeben." Okee - Extrakosten im Kopf eingeplant, zuhause die Eurolines-Website aufgerufen und folgendes gelesen: "Ein drittes extra Gepäckstück wie z.B. Ski, Snowboard bzw. Sperrgepäck wird nicht gefördert."

Da die Zeit drängte, hab ich einfach mal nix getan und mir überlegt, dass ich eine Lösung des Problems auch noch am Donnerstag auf der Mitfahrgelegenheit nach Stuttgart ersinnen und mich am Freitag dort darum kümmern könne. Ich habe also meine Vorbereitungs-ToDos abgekreuzelt, meine Sachen gepackt und mich darauf eingestellt, dass ich am Samstagmittag ohne Rad in Montpellier ankommen und dort vermutlich auf eine größere Postsendung warten müsse. Armer Luigi, der wäre sicher gern Bus gefahren!

Und hier kommt nun der Planwechsel ins Spiel: ich habe mal wieder Glück im Unglück - oder Unglück im Glück, je wie man's nimmt. Eine Ich-probier-es-jetzt-wenigstens-Mitfahrgelegenheits-Recherche am Mittwochabend ergab eine mögliche Autofahrt von Stuttgart direkt nach Montpellier am Freitag. Natürlich ohne Rad, aber ich schrieb dem Fahrer eine Email und bat um Radmitnahme, ggf. auch mit einer MuTZ zusätzlich. Er schrieb zurück, dass er lieber nur mich mitnehmen würde und ich mein Verkehrsmittel doch mit dem Bus nach Montpellier schicken solle. Dann erreichte ich ihn telefonisch erstmal nicht... (zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einen Zahlendreher ins Handy getippt habe)

Gestern abend, nach dem ersten Begrüßungsgespräch bei meiner Stuttgarter Freundin, probierte ich es dann noch einmal und konnte endlich mit dem Anbieter der Mitfahrgelegenheit reden. Er nimmt mich mit, heute um 10:00 Uhr ab dem Autobahnkreuz Fasanenhof-Ost. Das heißt, ich werde bereits heute abend in Montpellier sein - und habe natürlich bislang weder ein Hostel gebucht noch eine Couchsurfing-Übernachtung vorausgeplant. Aber auch das löst sich sicherlich im Laufe des Tages ;-)

Das einzige, was sich nicht lösen wird, sind die bereits getätigten Ausgaben für die Busfahrt - falls ein Leser jemanden kennt, der weiblich ist und sich traut, ich gebe mein Ticket nach Montpellier gern weiter!

Abseits der Mitfahrplanung: Da ich im Anschluss an meine Frankreichreise noch einen Ausflug nach Malaysia geplant habe, war ich die letzten Wochen öfter mal zum Impfen beim Arzt... ich hab's immer gut vertragen und bin entsprechend vorfreudig auch am Mittwoch zum Pieksen gegangen. Pünktlich zu Reisebeginn zeigen sich nun leider doch kleine Nachwirkungen in Form eines geschwächten Immunsystems, dass mir gerade Halsweh und Schnupfnase bereiten. Es ist also ganz gut, dass ich noch einen Extratag zum Auskurieren in Montpellier bekomme, bevor die eigentliche Radreise beginnt.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Letzte Reisevorbereitungen

Gestern:
meine abgehakte ToDo-Liste

Heute nacht:
*Wintersachen in den Keller gebracht
*Gemeinschaftsräume von unnützem MuTZ-Kram befreit
*Reiseverpflegung zusammengesucht (und genascht)

Heute morgen:
*Bett abgezogen
*Mitfahrgelegenheit Stuttgart-Montpellier angeschrieben, da telefonisch leider nicht erreicht
*Beine reisefein gemacht ;-)

Noch zwei Stunden, dann geht's los!

Dienstag, 17. Februar 2015

On the road again...

Es ist eine Weile her, seitdem ich auf (längeren) Reisen war... und es ist Zeit, mal wieder loszufahren. Seit ein paar Monaten plane ich im Kopf, seit ein paar Wochen nun auch an Rechner und Telefon eine Frankreichrunde mit dem Fahrrad. Starten will ich im Süden, mich über Toulouse, Bordeaux und das Loiretal bis nach Fonatinebleau durcharbeiten, ab der Senfstadt Dijon wieder in Richtung Mittelmeer fahren und schlussendlich ab Lyon die Heimreise antreten. Acht Wochen habe ich inklusive Nach-Hause-radeln eingeplant und freue mich jetzt schon wie ein Schneekönig.

Heute habe ich meinem Fahrrad auch endlich einen Namen gegeben - es heißt jetzt "Luigi", gewissermaßen als der perfekte Partner zu Supermaria auf Reisen ;-) Tatsächlich ist der Rahmen ein Giant-Fabrikat und "Giano" leitet sich eben von "Luigi" ab, was wiederum von "Ludwig" kommt und aus den althochdeutschen Wörtern "hluth" (=berühmt) und "wig" (=Kampf, Krieg) zusammengesetzt ist. Luigi und ich werden den berühmten Kampf gegen Wetter und Wadenschmerzen schon gewinnen! Ich mach Euch mal bekannt:

Luigi on the road

Seit gut 14 Tagen ist das Rad nun reisebereit und da es noch vor März losgehen soll, wollte ich es nochmal auf eine kleine Ausfahrt mitnehmen. Und so sind Luigi und ich am Sonntag mal nach Freiberg gefahren, um die liebe Familie zu besuchen. Anstatt über Tharandt und Freital bin ich diesmal über Pesterwitz gefahren und habe dort ein interessantes Wandbildnis an einer Grundschule gesehen:

Schulweisheiten

Was sehen wir? Einen Schüler mit Basecap und geschultertem Ranzen, im Hintergrund Buchstaben und Zahlen. Schaut man genauer hin, ergeben die Zeichen die Rechenaufgabe "2+4=?". Der coole Junge guckt selbstbewusst zum Betrachter und zeigt uns einen Daumen... "= 1!"
Der Kleine sieht eigentlich ganz glücklich damit aus. Vielleicht ist es ja manchmal auch gar nicht so wichtig, die richtige Antwort auf eine Frage zu haben, sondern sich mit dem Problem beschäftigt zu haben... ;-)

Montag, 9. Februar 2015

Über Chantal-Assoziationen...

In den letzten vier Wochen hat sich mein Schlafrhythmus auf Mittelalterreise begeben und teilt meine Nacht in zwei Schlummerabschnitte. War wohl früher normal so, wenn man dem Artikel in der Süddeutschen Zeitung glauben schenken möchte. Da ich mir die fehlenden Ruhestunden tagsüber wiederholen kann, nehm ich es sportlich und nutze die gewonnene Nachtzeit zum Lesen, Lernen, Schreiben und Musikhören. Alles möglichst im Bett, damit aufkommende Müdigkeit sich gegebenenfalls gleich in Schlaf niederschlagen kann...

So hat es sich eingeschlichen, dass ich zur frequenten Youtube-Kundin mutiert bin und dort jetzt regelmäßig Werbespots vor Musikvideos eingeblendet bekomme. Die kann man nach wenigen Sekunden zwar überspringen, manchmal muss man sie aber auch zuende sehen. In diesem Rahmen habe ich heute nacht einen weiteren Hinweis darauf gefunden, warum der Vorname Chantal in einigen Ohren nicht gerade nach Bildungsbürgertum, sondern nach zuviel Parfüm und Hinter-dummen-Jungen-herrennen klingt: ein Chanel-Werbespot. Der blauuäugige Traum aller Gala-Girls zieht durch Nacht und Blitzlichtgewitter, Frauen umschwärmen ihn wie Motten das Licht. Im Hintergrund Gitarrenriffs und eine Stimme, die von einem "Weg raus hier" singt. Nachdem der Typ in seiner Klischeekarre durch Klischee-Amerika gefahren und einem Klischeemodel hinterhergerannt ist, schaut er raus aufs Meer und es erklingt der tiiiieeefsinnige Spruch: "Werde derjenige, der Du bist. Bleu de Chanel."

Wer des Französischen nicht mächtig ist: "bleu de" spricht man "blöh de" aus...

Die Chantals dieser Welt mögen mir meine Spitzfindigkeit verzeihen!

Freitag, 6. Februar 2015

Später dann

Morgen wird alles anders
Morgen bin ich konsequent
Morgen werde ich nur noch sagen
Was ich wirklich fühl und denk

Morgen werden dann die andern
Meine Konsequenzen spüren
Morgen werden sie dann sagen.
„Wozu kann alles Denken führen“...

Morgen?
Morgen ist vielleicht zu früh.
Morgen möcht ich vielleicht lieber
Weniger von mir preisgeben

Morgen!
Morgen früh bestimme ich
Meinen Plan für übermorgen
Weiter. Erstmal weiter leben.

Donnerstag, 27. November 2014

Halbjahreseintrag

Letztens hab ich mal wieder auf twoday.net vorbeigeschaut, eben gucken was der alte Blog so macht. Und? Nüscht! Jar nüscht, also wirklich absolut nüscht jesehen...
Angst gekriegt, das die Texterei der letzten Jahren im Rauschen der Internetwellen verschwunden ist und ich sie nicht mehr herausfischen können werde. Angst verjagt, indem ich mich ganz schnell wieder offline verkrümelt habe.

Jetzt bin ich also wieder da, und siehe: das technische Problem ist verebbt, mein Blog noch vorhanden und nachlesbar. Der nächste Schritt könnte also die Sicherung meiner Texte sein. Könnte. Muss aber nicht.

Ich eröffne hiermit die Weihnachtssaison mit einem kräftigen "Blog freeiiiii!"

Nachtrag: Mit 40 Stunden Hauptberuf und 20 Stunden weihnachtsmarktlichem Bratapfel- und Rahmfleckenverkaufen ging die Adventszeit auch ohne Blogeinträge recht schnell rum ;-)

Freitag, 14. Februar 2014

Radeln tut gut!

Ich wusste es: Radfahren ist gut - für alle. Eine Londoner Studie beweist es...

Ein schönes (Radel-?)Wochenende!

Freitag, 20. September 2013

Kategorischer Indikativ

Ich bin ein Mensch, der in Kategorien denkt. Für jede Eigenschaft muss es eine Klasse geben, und zu fast jeder Klasse endlich viele Eigenschaften. Und jede Eigenschaft wiederum sollte bestmöglichst in "ist vorhanden" und "ist nicht vorhanden" unterteilt, im schlechtesten Falle aber von 0 bis 10 skaliert werden können. Daraus ergeben sich wunderbare Kombinationen, die jeden Mensch und jede Sache identifizierbar macht: ich zum Beispiel bin aus Bautzen (10), Mathematikerin (10), Klarinettistin (7, weil ja kein Profi), Stadtführerin (9), Bloggerin (5... bei der Häufigkeit)... das allein sollte der NSA schon reichen, um meinen Namen ausspucken zu können.

Mein Kategorienwahn führt hier und da zu leichten Zwängen - Frühstücksutensilien gehören in der Küche in die Frühstücksecke, egal ob Marmeladengläser und Konservengemüse ins selbe Fach passen. Kaffee trinke ich nicht aus gläsernen Tassen und Tee nicht aus kaffeefarbenen. Meine obere Oberbekleidung ist nach Einsatz und "Armigkeit" sortiert: - ärmellos, kurzarmig, langarmig/kein Sport, langarmig/Sport (ich gebe zu, dass ich Spaghettiträger und Dreiviertelarm gern gesondert stapeln würde, nur reichen dazu die Exemplare nicht). Speziell bei der Kleidung war diese Macke früher besonders ausgeprägt: es gab Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winter-Teile, die ich auf keinen Fall in der falschen Jahreszeit anziehen wollte. Nur doof, dass sich das Wetter nicht immer an meine Kategorien gehalten hat.

Nach einigen Selbstkonflikten in Sachen Ordnung (zehnfaches Umsortieren meines Finanz-Ordners hat immer noch kein passendes System erzeugt) und Aha-Erlebnissen der Unordnung (keinen sonst störts), habe ich diese Sucht nach Struktur weitestgehend besiegt. Ich ertrage Obstkonserven neben der Erdnussbutter und trage auch gern mal einen Sommerrock über den Winterstrumpfhosen. Kaffee trinke ich im Notfall - aber wirklich nur dann - aus einem pinken Blechbecher. Wäsche wasche ich schon lange nicht mehr hell-dunkel, sondern immer gemischt.

Manchmal allerdings, wenn ich wie heute meine Winterschuhe aus dem Keller holen will und dabei feststelle, dass das eine Paar in der Wohnung übersommert hat, überfällt es mich hinterrücks: das Gefühl, dass ich inkonsistent handle. Dass ich gar nicht so sehr den Durchblick habe, wie ich es in meinen schubladenschönsten Momenten fühle. Dass ich eigentlich ziemlich chaotisch bin. Dann hilft nur der Blick zur Seite und die Gewissheit, dass die Ordnung der anderen auch nicht perfekt ist. Und so stiefele ich seit heute wieder mit meinen Sommer-Winterschuhen durch Dresden und freue mich, dass sich der Wettergott endlich für Herbst entschieden hat.

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Danke für den Artikel....
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Waldwuffel (Gast) - 4. Mär, 22:04

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