Die Eins steht da oben nur vorsichtshalber. Man weiß ja nie, was mir noch alles einfällt ;)
Sicher ist jedoch, dass man hier in Gällivare ein ganz gutes Auskommen hätte, wenn man Mittagessen ausfährt. Im hiesigen Gewerbezentrum gibt es nämlich nur einen Gefrierschrank mit überteuertem Mikrowellenessen, was man auch genausogut von zu Hause mitbringen kann. Und ein "Baguetteauto", was mittags zu Doppeldönerpreisen belegte Langweichbrote (pas de baguette, pas du tout!) anbietet.
Es hat natürlich auch seine guten Seiten, mittags mal nicht bedient zu werden: ich koche abends. Gut. Und die Kreationen für mein Mittagsmahl werden hoffentlich auch noch an Rafinesse gewinnen.
MuTZelchen - 19. Mär, 19:45
Juhuu, der erste Ausflug steht an! Habe gerade mit einem deutschen Studenten aus Luleå telefoniert, der uns zwei Nächte in seiner Wohnung campen lässt. Am Donnerstag geht's los...
MuTZelchen - 18. Mär, 20:27
Wenn man irgendwo lebt, muss man dort auch was essen. Und wenn man etwas essen will, muss man das entweder aus dem Kühlschrank holen oder im Restaurant bestellen. In beiden Fällen sollte man das aber bezahlen.
So kam es, das Maria in die Welt zog, um Nahrung zu kaufen. Ihrer sparsamen Natur folgend, kaufte sie zuerst ein 2kg-Pack Haferflocken, dann Milch und Eier, Brot, Käse... naja, wie man eben einkaufen geht. Spätestens an der Obstabteilung war klar, dass das Vergleichen mit deutschen Preisen keinen Zweck hat. Höchstens, wenn man sich nur noch von Südfrüchten ernähren will, die sind nämlich tatsächlich genauso teuer wie zu Hause.
Das Preisniveau liegt bei den Lebensmitteln so um ca. 50 bis 100% höher als in (Ost-)Deutschland. Das hat durchaus seinen Grund. Denken wir zunächst an die geographische Lage: Gällivare liegt fast 100km nördlich vom Polarkreis. Das bedeutet Schnee von Oktober bis April, ein halbes Jahr lang Minusgrade, eben nicht so optimale Bedingungen für Pflanzen zum wachsen.
Ein Blick auf ein
Infoblatt über Norrbotten bestätigt, dass Landwirtschaft hier keine bedeutende Rolle spielt. In der riesigen Region werden auf 5.521 ha Weizen angebaut, auf 22.569 ha Grünfutter und nur lächerliche 69 ha sind reserviert für Kartoffeln. Für Tiere ist also weitaus besser gesorgt als für den Menschen.
Das bringt mich zu der These: als Fleischesser wäre ich wahrscheinlich günstiger weggekommen. Vielleicht sollte ich mich auf die Suche nach nicht-faseriger, nicht-überwürzter, am besten nach Blumenkohl-schmeckender tierischer Nahrung machen. Apropos, Blumenkohl hab ich noch gar nicht gesehen!
MuTZelchen - 17. Mär, 18:13
Mein erstes Wochenende hier in Gällivare wird wohl nicht als das erlebnisreichste in die Geschichte meines Praktikums eingehen. Es fing mit leichten Halsschmerzen am Dienstag an, verwandelte sich in allgemeines Unwohlsein und heute lieg ich mit einer Mischung aus Kopfschmerzen, Hitzewellen und Halsweh zu Hause. Nicht so toll!
Da wir mitten in der Stadt wohnen, war ich gestern trotzdem mal draußen und hab mir den Wintermarkt in Gällivare angeschaut. Die wenigen Innenstadtstraßen waren durchzogen von Marktständen, die wechselweise Kleidung, Fladenbrot, Rentierfleisch und Süßigkeiten anboten. Dazwischen noch ein paar Händler mit Holzgegenständen und Küchengeräten sowie ein Mann, der eine Art Staubsauger anpreiste. Alles in allem kein besonderer Markt, aber die Stadt war trotzdem proppevoll. Als wir bei der SEB Geld holen wollten, stand sogar eine Schlange von mindestens 10 Personen davor, sodass wir es uns anders überlegt haben.
Interessant war vielleicht noch, dass hier Rentierfleisch tatsächlich eine Konkurrenz zum Rindfleisch ist, jedenfalls gab es an zwei Ständen Dönerfleisch zu kaufen. Michael hat es geschmeckt.
MuTZelchen - 16. Mär, 13:02
Ich habe mir vorgenommen, innerhalb der nächsten vier Monate noch zum Status "lebt" zu kommen und nehme daher Veränderungen an dem mir übergebenen Zimmer vor. Die bisherige Anordnung der Möbel war so:
Jedenfalls habe ich heute das Bett von der passgenauen Gegenüberseite des Fensters an die Seite des Zimmerschlauchs geräumt und als nächstes gleich mal den Schreibtisch auseinandergebaut. Das Ding war extrem unschön!
Da dieser Raum nun also tischlos ist, sitze ich nun in guter Yogamanier im Schneidersitz vor einem Stuhl, auf dem sich der Laptop befindet. Ich überlege noch, ob hier ein Ecktisch Marke Eigenbau oder ein 30€-Köp&Sälj-Schreibtisch stehen soll. Kreative, geldbeutelfreundliche Ideen erwünscht!
Ach ja, bei der Umraumaktion fanden sich übrigens noch eine Tagesdecke und eine (zusammengerollte!) Therm-a-rest unter dem Bett.
MuTZelchen - 14. Mär, 21:53
Kennt sich zufällig jemand mit Navision, der "Standardsoftware für ERP-Systeme" aus? Ich hab heute versucht, mich da hineinzudenken und bin, naja, nicht sehr weit gekommen :(
MuTZelchen - 13. Mär, 17:29
Wer mich schonmal allein am Esstisch hat sitzen sehen, der weiss, dass ich immer etwas zu lesen brauche. Und so kommt es, dass ich zum Beispiel die Beschreibung der "Werther's Original"-Erfindung sowohl auf deutsch als auch auf französisch fast auswendig kenne ("Il était une fois, dans le petit village de Werther...", nachzulesen auf der Münchner Straße 23a, Dose steht auf dem Fensterbrett über dem Küchentisch).
Wer nun schwedische Verpackungen aufmerksam liest, findet auf jeder zweiten eine Anweisung, zu welchen Müll denn nun die (un)sterblich Hülle kommt. Die Kategorien "sorteras som": Hårdplast (harte Plaste). Papper (Papier). Tidnigar (Zeitungen). Tetror (Tetrapacks). Kartong. Metall. Elektronik. Kompostärbart. Brännbart Restavfall. Und zuguterletzt noch Farligt avfall, der gefährliche Abfall. Nachzulesen unter
http://www.renhallningen.ax/Sortering.htm
Da fragt sich der Nullachtfuffzehn-zwei-Kammern-denn-Bio-verrottet-auch-auf-dem-Restmüll-Trenner schon, wie man das nun alles auseinanderhalten soll und ob es böse Haue gibt, wenn ich den Teebeutel nicht eindeutig zuordnen kann. Um dem Kunden dies zu ersparen, finden sich unter anderem solche Beschreibungen:
"Skölj ur och platta till. Lämna förpackningen in behållaren för pappersförpackningar. Den lösa skruvkorken lämnas i behållaren för plastförpackningar." - Auswaschen und plattdrücken. Die Verpackung in den Behälter für Papierverpackungen stecken. Den abgelösten Schraubverschluss in den Behälter für Plaste stecken.
MuTZelchen - 12. Mär, 21:51
Um es vorweg zu nehmen: die Wohnung ist an sich schon hübsch! Wir haben 2 studentenfreundlich kleine Schlafzimmer, ein großes Wohnzimmer mit zwei Sofas und eine Küche, in der sogar ein großer kieferner Esstisch Platz hat. Allerdings hätt ich bis gestern abend die Frage, ob ich schon lebe, mit "Nein, ich wohne noch" beantworten müssen.
Mein Zimmer liegt direkt neben der Küche, ist ein Schlauch von circa 11 qm und als ich das erste Mal reingeschaut hab, musste ich schon ein bissl schlucken. Das lag vor allem an der mit Winkeln auf Holzplatten fixierten Furnierplatte, die (noch?) meinen wackeligen Schreibtisch darstellen. UND an der IKEA-Kommode, deren Schubladen allesamt die Fronten fehlten.
Auf den zweiten Blick gestaltete es sich um einiges freundlicher. Okay, der Schreibtisch ist Schrott und wird entweder stabilisiert oder ausgetauscht, aber für die Kommode fanden sich drei von vier Frontstücken, die mithilfe von Kaugummi fest mit den Schubladen verleimt wurden. Außerdem bin ich mit Kreuzschlitzschraubenziehern (heißen die so?) durch die Wohnung gelaufen und hab sämtliche Türknöpfe wieder festgezogen. Derweil hat Michael, mein Mitbewohner, schonmal die Schränke im Wohnzimmer entrümpelt und dabei eine kleine deutsche Bibliothek hervorgezaubert.
Dabei erwähnenswerte gefundene "Besitztümer": ein großer Reisekoffer. Ein Schlafsack (kann man die waschen und nachher mit guten Gewissen drin schlafen?). Reiseführer "Norwegen". Arztroman. Großformatig gerahmte Bilder mit kitschigen Motiven. Ordner mit gesammelten Rezepten. Unmengen von Handtüchern und Bettzeug - wahrscheinlich bringt jeder was mit und lässt es aus Gepäckbegrenzungsgründen dann hier. Und in der Küche - eine Brotmaschine. Dabei gibt es sogar Schwarzbrot im Supermarkt.
Außerdem vorhanden: Möbel, Stereoanlage, Fernseher, 2 Rennräder, Kaffeemaschine (wird nicht benutzt werden), sowie der übliche lebensnotwendige Küchen- und Putzkram. Ich denke, hier lässt es sich gut aushalten!
MuTZelchen - 12. Mär, 21:17
Soll heißen: zu viele Eindrücke. Wenn das hier ein anständiges, gut lesbares Blog werden soll, dann muss ich wohl die Beiträge für heute stückeln. In den letzten zwei Tagen ist mir einfach zu viel aufgefallen, als dass es in einen zusammenhängenden Text passt.
In Kurzfassung: ich war zwei Tage auf Arbeit, habe dort viel über die Firma gelernt, mich mit Kollegen bekannt gemacht und versucht, mir den Weg bis dahin einzuprägen (ich hab als Beifahrer nicht das beste Koordinationsvermögen). Am gestrigen Abend wurde Wohnung bzw. Zimmer entrümpelt und heute hab ich meinen ersten Stadtrundgang gemacht.
Dazu thematisch gleich mehr...
MuTZelchen - 12. Mär, 21:09
Das Herzklopfen wich einem Herzwummern, das sich erst nach geöffneter Wohnungstüre in Hunger verwandelte.
Der Weg zur Wohnungstür war abenteuerlich: als ich am Flughafen Gällivare ankam, hab ich trotz der mir bewussten fehlenden Kommunikation der letzten Woche auf eine Person mit "Maria Hardtmann"-Schild gehofft. Da war aber niemand.
Nachdem von den Angekommenen nur noch ein etwa gleichaltriges Mädchen im Flughafengebäude übrig war, nahm ich meinen Mut zusammen und fragte den Reiseführer dreier älterer Franzosen, wie man am besten in die Stadt käme. Er tat das, was ich insgeheim gehofft hatte, und nahm mich mit. Die Franzosen freuten sich über das francais-parlierende Mädchen mit Skiern und ich mich über die Mitfahrgelegenheit bis vor die Haustür. Dort kam dann wenige Minuten später auch mein Mitbewohner an, der mich noch vom leeren Flughafen abholen wollte.
Hab dann den Hunger mit Cornflakes gestillt und versucht, möglichst viel über die Gegebenheiten herauszufinden. Nun sitze ich in meinem Zimmer an einer Furnierplatte auf Holz, auch Schreibtisch genannt, und bin gespannt was die nächsten Monate bringen.
MuTZelchen - 10. Mär, 21:33
Hat zwar bisher noch niemand zu mir gesagt, aber ich bin trotzdem schon in Schweden. Sitz auf dem Flughafen Stockholm-Arlanda und frage mich, wie lange das bezahlte WLAN noch hält. Und wenn ich dann irgendwann offline bin, hol ich mir ne Punschrulle und hoffe, dass das Herzklopfen weggeht.
Nur noch drei Stunden, bis ich da oben bin!!!!
MuTZelchen - 10. Mär, 16:37