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Rikschafahren

Montag, 20. Oktober 2008

Dresden-Marathon

Gestern war mal wieder so richtig Leben in der Stadt - Trommegruppen und Cheerleader standen an Straßenrändern, Polizisten sperrten Kreuzungen und mehr als 6000 Läufer quälten sich auf Streckenabschnitten des Dresden-Marathons. Es gab sogar 29 sogenannte Handbiker und eine Rikscha - die allerdings nicht ich fuhr, sondern ein Kollege, den ein verletzter Läufer im Voraus für den Halbmarathon bestellt hatte. 21 km am Stück mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 12 km/h zu fahren ist auch für einen Rikschafahrer ganz schön anstrengend...

Ich war jedoch auch mit der Rikscha unterwegs, diesmal jedoch halb privat. Meine Familie hatte einem befreundeten älterem Ehepaar aus Dresden eine Stadtrundfahrt geschenkt, und so fuhr ich gegen halb elf vom Depot aus in Richtung Hygienemuseum, wo die Tour starten sollte. Ungünstigerweise lag dazwischen die Marathonstrecke und damit auch zeitweise Straßensperrungen, wodurch ich eine Viertelstunde dem Mittelfeld beim Schwitzen zuschauen konnte.

Irgendwann kam dann mein (nicht halbmarathonmitfahrender) Kollege auf die Idee, einfach eine kurze Runde im Pulk mitzufahren und dann rechts abzubiegen, um doch noch pünktlich auf die andere Seite zu kommen. Gesagt, getan - und stecken geblieben.

Warum? Die Streckenführung sah eine Kurve vor, in dem ein besonders ehrgeiziger Läufer mir nicht zutraute, sein Tempo zu halten. Da ich ihm aber eben auch nicht seine Laufzeit versauen wollte, musste ich langsamer werden und damit überholten mich immer mehr Läufer. Letztendlich habe ich wohl ein ganz paar mehr Läufern ein paar Sekunden gekostet - Entschuldigung hiermit an diejenigen!

Dienstag, 9. September 2008

No touching, please!

Heute habe ich das erste Mal in meinem Leben als Fotomodell gearbeitet. Für ein 40minütiges Shooting inklusive Rikschafahrt zwischen Frauenkirche und goldenen Reiter haben die vier Chinesen je 20 € an mich und den Kollegen gezahlt. Der andere Fahrer mit seiner motorbeholfenen Plastikrikscha war für die Gäste allerdings nicht so interessant, sie standen beziehungsweise saßen eigentlich ständig neben und hinter mir.

Was ich allerdings nicht so toll fand, war die Idee, ein "Ich-küss-die-Fahrerin"-Foto zu machen. Ich bin noch rechtzeitig zurückgewichen. Also, liebe Herren der Schöpfung: bei Rikschafahrten sind Körperkontakte von Fahrerseite nicht erwünscht und damit auch nicht erlaubt!

Ich hab den Jungs übrigens dennoch meine Emailadresse gegeben, damit ich die Fotos dann auch mal sehen kann...

Sonntag, 7. September 2008

Anleitung zur Auswahl eines guten Rikschafahrers

Heute war ein sehr schöner, wenn auch nicht so fahrtenreicher Rikscha-Tag. Da ich viel Zeit zum Beobachten von Touristen, Stadtführern und eben auch Fahrradtaxifahrern hatte, möchte ich die Ergebnisse gern hier niederschreiben. Und zwar für diejenigen, die schon mal über eine Rundfahrt in einer Rikscha nachgedacht haben:

1. Such Dir den Fahrer selbst aus. An manchen Standorten wie an der Frauenkirche gilt das Taxi-Prinzip (wer zuerst kommt, malt zuerst), bei dem sich unter anderem diejenigen einreihen, die keine "Eigenaquise" betreiben wollen. Das sind zwar nur wenige schwarze unter vielen weißen Schafen, aber man weiß ja nie... also lass Dich nicht unterkriegen und unterhalte Dich zuerst kurz mit dem betreffenden Fahrer!

2. Achte nur bedingt auf das Äußere der Fahrer - eine zierliche Frau kann manchmal interessantere Führungen machen als ein stämmiger Brummbär. Für die Arbeit als Rikschafahrer ist keine extreme Fitness vonnöten, sonst würde ich den Job auch nicht machen können.

3. Ist der Fahrer gebräunt? Wenn ja, dann ist er wahrscheinlich schon die ganze Saison unterwegs und Du hast bessere Chancen, einen erfahrenen Stadtführer zu erwischen.

4. Frag nach Alternativen zu der "klassischen Altstadttour". Ist der Fahrer ein Dresden-Kenner, so wird er Dir auch interessante Orte fernab von Frauenkirche & Co. zeigen können. Die Altstadttour kannst Du trotzdem machen, dort kennt er sich dann auch aus.

5. Sei freundlich zum Fahrer, dann ist er auch freundlich zu Dir. Es gibt zwar auch Strahlemänner- und frauen, aber einige kommen erst bei der Rundfahrt auf Touren...

6. Falls Dir die Rundfahrt gefallen hat, merk Dir den Namen Deines Chauffeurs und empfiehl ihn weiter. So wirst Du vielleicht auch einmal einen netten Fahrer empfohlen bekommen.

Samstag, 30. August 2008

Kak Shopping?

Was macht man in einer 802-jährigen Stadt, die reich an Kunst-, Kultur- und Architekturgütern ist, bei strahlendem Sonnenschein? Einkaufen!

Habe heute dreimal Leute in die Nähe von Einkaufszentren gefahren und mindestens doppelt so oft Fragen nach der nächsten Bank, Shoppingmöglichkeit und Metzgern (!) beantwortet. Nebenbei gab's auch noch eine Stadtrundfahrt für einen alleinstehenden Kanadier sowie eine Taxifahrt zur nächsten Bushaltestelle für eine ältere Dame, die nicht mehr so schnell zu Fuß war. Und bin mit meinem sehr spärlichen Spanischkenntnissen bei den wild wedelnden Venezualern nicht weitergekommen :(

Ja, Touri-Dresden macht derzeit einen sehr internationalen Eindruck. Und das scheint besonders durch betuchte Russen auch den Shoppingmeilen gutzutun.

Nachtrag: Nicht nur Russen, sondern auch Australier gehen gern einkaufen. Nur wussten meine Fahrgäste die nicht, dass in Deutschland die Geschäfte sonntags schließen. Sie waren ganz schön enttäuscht, denn sie hatten sich am Samstag einige Kleider zurücklegen lassen...

Freitag, 29. August 2008

Back in the Rikscha business

Die Zeit des Heimaturlaubes hat ein Ende, jetzt wird wieder gearbeitet! Gestern war ich wieder zurück in den Altstadtstraßen Dresdens, unter mir der Sattel einer Rikscha, um mich herum Touristen und andere Fahrradtaxisten. Es war auch wieder einer dieser "guten" Tage - lange Stadtrundfahrten, auf denen man viel erfahren, erzählen und wenig strampeln musste.

Und wieder einmal ein amerikanisches Pärchen, die beeindruckt von Stadt und Menschen mehrere Stunden in meiner Rikscha verbracht haben und dabei quasi ALLEs über Deutschland erfahren wollten. "How do you elect the German chancellor?" - "What did your parents think about the German reunion?" - "Do you think Germans are hostile against Americans?"... recht politische Fragen, wenn man es so betrachtet. Mich hat dann irgendwann schon interessiert, welche Partei sie wählen: Republican. Schade eigentlich ;)

Interessant war, wie die Leute einen anstarren, wenn man mit den Gästen Englisch spricht. "They're impressed by a woman pedaling!" war der Kommentar meines Fahrgastes. Und weil ich mich so wacker auf Ausländisch geschlagen habe, gab es am Ende auch Trinkgeld - 20 Dollar.

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